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6. Mai 1871 – Geburtstag Christian Morgenstern

Am 6. Mai 1871 wurde in München der berühmte humoristische Dichter, Dramatiker, Übersetzer und Aphoristiker Christian Morgenstern geboren.

Am 6. Mai 1871 wurde in München der berühmte humoristische Dichter, Dramatiker, Übersetzer und Aphoristiker Christian Morgenstern geboren. Christian Morgenstern kam in der Theresienstraße 12 im Stadtteil Maxvorstadt zur Welt, unweit der Universität. Seine Mutter, Charlotte Morgenstern, geborene Schertel, und sein Vater, Carl Ernst Morgenstern, waren beide Landschaftsmaler. Der berühmte Großvater, von dem Christian seinen Rufnamen erhielt, war ebenfalls ein Maler namens Christian Morgenstern. Die Familie hatte eine künstlerische Ader, die sich auch in Christians Werken widerspiegelte.

Im Alter von zehn Jahren verlor Christian seine Mutter an Tuberkulose. Er selbst hatte sich offenbar bei ihr angesteckt. Ohne regelmäßigen Schulunterricht in der frühen Kindheit wurde er seinem Paten, dem Kunsthändler Arnold Otto Meyer, in Hamburg zur Erziehung anvertraut. Diese Zeit war für ihn nicht einfach. Später kehrte er nach München zurück und besuchte ein Internat in Landshut. Dort wurde er mit Körperstrafen konfrontiert und litt unter den Hänseleien seiner Mitschüler.

Christian Morgensterns humoristische Lyrik erlangte besondere Bekanntheit. Seine Gedichte sind oft von Wortspielen, Ironie und einem tiefen Sinn für das Absurde geprägt. Werke wie “Die Galgenbruder” oder “Die Mitternachtsmaus” zeugen von seiner einzigartigen Schreibweise. Auch seine Übersetzungen und Aphorismen sind bis heute beliebt.

Morgensterns literarisches Schaffen ist geprägt von einer Vielzahl von Stilen und Themen. Er veröffentlichte Gedichte, Erzählungen, Dramen und Essays. Sein Werk ist von einem tiefen spirituellen und philosophischen Interesse geprägt, das sich in vielen seiner Texte widerspiegelt. Besonders bekannt wurde Morgenstern jedoch für seine humorvollen und sprachkritischen Gedichte, die er „Sprachspielereien“ nannte.

In seinen „Sprachspielereien“ experimentierte Morgenstern mit der deutschen Sprache, schuf Neologismen und spielte mit Wortbedeutungen. Dabei entstanden Gedichte wie „Das große Lalula“ oder „Der Werwolf“, die bis heute zu den beliebtesten Gedichten der deutschen Literatur zählen. Morgensterns Sprachspielereien sind jedoch mehr als nur unterhaltsame Wortakrobatik. Sie sind eine Auseinandersetzung mit der Sprache und ihrer Bedeutung, eine Kritik an der starren Norm und eine Einladung, die Sprache neu zu denken und zu erleben.

Neben seinen Sprachspielereien schuf Morgenstern auch ernste und tiefgründige Gedichte, die von seiner spirituellen Suche zeugen. In Gedichten wie „Die unmögliche Tatsache“ thematisiert er die Suche nach Sinn und Erleuchtung, die Sehnsucht nach Transzendenz und die Grenzen menschlicher Erkenntnis. Morgensterns Gedichte sind dabei von einer tiefen Menschlichkeit und Empathie geprägt, die den Leser berühren und zum Nachdenken anregen.

Die unmögliche Tatsache

Palmström, etwas schon an Jahren,
wird an einer Straßenbeuge
und von einem Kraftfahrzeuge
überfahren.

„Wie war“ (spricht er, sich erhebend
und entschlossen weiterlebend)
„möglich, wie dies Unglück, ja –:
daß es überhaupt geschah?

Ist die Staatskunst anzuklagen
in bezug auf Kraftfahrwagen?
Gab die Polizeivorschrift
hier dem Fahrer freie Trift?

Oder war vielmehr verboten,
hier Lebendige zu Toten
umzuwandeln, – kurz und schlicht:
D u r f t e hier der Kutscher nicht–?“

Eingehüllt in feuchte Tücher,
prüft er die Gesetzesbücher
und ist alsobald im klaren:
Wagen durften dort nicht fahren!

Und er kommt zu dem Ergebnis:
„Nur ein Traum war das Erlebnis.
Weil“, so schließt er messerscharf,
„nicht sein kann, was nicht sein darf.“

Morgensterns Werk hatte einen großen Einfluss auf die deutsche Literatur des 20. Jahrhunderts. Seine Sprachspielereien inspirierten Dichter wie Joachim Ringelnatz, Kurt Schwitters und Ernst Jandl, die ebenfalls mit der Sprache experimentierten und neue Ausdrucksformen schufen. Morgensterns spirituelle Suche wiederum beeinflusste Dichter wie Rainer Maria Rilke und Hermann Hesse, die ebenfalls nach tieferen Wahrheiten und Sinn suchenden Erfahrungen strebten.

Bild: Gemeinfrei | Gemeinfrei

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  • Christian-Morgenstern-Gemeinfrei: Gemeinfrei | Gemeinfrei

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