Am 18. Oktober 1777 wurde Heinrich von Kleist geboren. Der deutsche Dramatiker, Erzähler, Lyriker und Publizist gilt als einer der bedeutendsten Autoren der deutschen Literaturgeschichte, dessen Werke bis heute gelesen, gespielt und verfilmt werden.
Heinrich von Kleist wurde am 18. Oktober 1777 in Frankfurt an der Oder geboren und am 27. Oktober in der Garnisonskirche getauft. Er entstammte einer Familie des pommerschen Uradels, die viele Generäle und Feldmarschälle, aber auch Gelehrte, Diplomaten und Beamte hervorbrachte. Nach dem Besuch des französischen Gymnasiums in Berlin trat er 1792 in das Potsdamer Garderegiment ein, beendete die militärische Laufbahn aber 1799 trotz familiären Widerstandes. Er schrieb sich an der Viadrina in Frankfurt/Oder ein, doch auch das Studium brach er bereits nach drei Semestern ab. Er verlobte sich heimlich mit Wilhelmine von Zenge, einer seiner Schülerinnen, löste die Verbindung aber später wieder auf.
Kleist begab sich auf eine Reise durch Europa, die ihn unter anderem nach Wien, Paris, Bern und Königsberg führte. Er begegnete vielen bedeutenden Persönlichkeiten seiner Zeit, wie Wilhelm von Humboldt, Ludwig Wieland oder Johann Heinrich Tischbein. Er beschäftigte sich intensiv mit der Philosophie Kants, die ihn in eine tiefe Krise stürzte. Er suchte nach einem festen Lebensziel und einem künstlerischen Ausdruck für seine Ideen.
In dieser Zeit entstanden seine ersten literarischen Werke, wie das Trauerspiel “Die Familie Schroffenstein”, die Komödie “Robert Guiskard” oder die Novelle “Die Verlobung in St. Domingo”. Er gründete auch eine eigene Zeitschrift, die “Phöbus”, die jedoch nur vier Ausgaben erlebte. Er versuchte sich als Beamter, als Journalist und als Soldat im preußischen Widerstand gegen Napoleon, fand aber keine dauerhafte Anstellung oder Anerkennung.
Kleist schuf in seinem kurzen Leben ein vielfältiges und innovatives Werk, das verschiedene Gattungen und Themen umfasste. Er schrieb Dramen wie “Das Käthchen von Heilbronn”, “Der zerbrochne Krug” oder “Penthesilea”, die sich durch eine spannende Handlung, lebendige Dialoge und psychologische Tiefe auszeichneten. Er schrieb Erzählungen wie “Michael Kohlhaas”, “Die Marquise von O…” oder “Das Erdbeben in Chili”, die durch ihre überraschenden Wendungen, ihre moralischen Konflikte und ihre gesellschaftskritische Haltung beeindruckten. Er schrieb auch Lyrik wie das Sonett “An das Weltgebäude” oder das Gedicht “Der Zweikampf”, die seine philosophischen Reflexionen und seine sprachliche Virtuosität zeigten.
Kleist stand zwischen den Literaturepochen der Weimarer Klassik und der Romantik, ohne sich einer von ihnen anzuschließen. Er war ein Meister der Form und ein Zerstörer der Konventionen. Er war ein Suchender und ein Zweifler, ein Genie und ein Unglücklicher. Er war ein Dichter, der seiner Zeit voraus war und dessen Werk erst nach seinem Tod seine volle Wirkung entfaltete.
Am 21. November 1811 erschoss sich Kleist am Kleinen Wannsee bei Berlin gemeinsam mit seiner Freundin Henriette Vogel, die an Krebs erkrankt war. Sie wurden in einem gemeinsamen Grab beigesetzt, das heute zu einem literarischen Denkmal geworden ist. Kleist hinterließ ein Werk, das bis heute fasziniert, herausfordert und inspiriert.

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