Kalender

24. Oktober 1960 – Geburtstag Christoph Schlingensief

Heute wäre Christoph Schlingensief, einer der bedeutendsten und umstrittensten deutschen Künstler der Gegenwart, 64 Jahre alt geworden.

Heute wäre Christoph Schlingensief, einer der bedeutendsten und umstrittensten deutschen Künstler der Gegenwart, 64 Jahre alt geworden. Der Film- und Theaterregisseur, Autor und Aktionskünstler starb am 21. August 2010 in Berlin an Lungenkrebs. Sein Werk umfasst zahlreiche Filme, Theaterstücke, Aktionen, Musiktheater, Ausstellungen, Hörspiele und Bücher, die oft provokant, radikal und experimentell waren.

Schlingensief wurde am 24. Oktober 1960 in Oberhausen geboren. Er begann schon als Kind mit Schmalfilmen zu experimentieren und studierte später in München Germanistik, Philosophie und Kunstgeschichte. Er arbeitete als Assistent von Werner Nekes und produzierte seine ersten Kurzfilme. Sein erster Spielfilm war Tunguska – Die Kisten sind da im Jahr 1983. Er wurde bekannt mit seiner Deutschlandtrilogie (100 Jahre Adolf Hitler – Die letzte Stunde im Führerbunker (1989), Das deutsche Kettensägenmassaker (1990) und Terror 2000 (1992)), die sich satirisch und kritisch mit der deutschen Geschichte und Gegenwart auseinandersetzte.

Seine Karriere als Theaterregisseur begann er 1993 mit dem Stück 100 Jahre CDU – Spiel ohne Grenzen an der Volksbühne Berlin. Er inszenierte dort und an anderen renommierten Bühnen wie dem Schauspielhaus Zürich oder den Bayreuther Festspielen Werke von Shakespeare, Wagner, Brecht und anderen. Er arbeitete oft mit Menschen mit Behinderung, Laien und Prominenten zusammen und schuf multimediale und interaktive Formate, die das Publikum herausforderten.

Schlingensief war auch ein politischer Künstler, der sich mit gesellschaftlichen Themen wie Rassismus, Nationalismus, Demokratie oder Globalisierung auseinandersetzte. Er gründete 1998 die Partei Chance 2000 und zog in den Bundestagswahlkampf. Er wurde 1997 bei einer Kunstaktion auf der documenta X verhaftet, weil er ein Schild mit der Aufschrift “Tötet Helmut Kohl” verwendete. Er initiierte 2000 das Big-Brother-Spiel für Asylanten in Wien “Bitte liebt Österreich”. Er baute ab 2008 ein Operndorf in Burkina Faso als kulturelles Austauschprojekt.

Schlingensief wurde vielfach ausgezeichnet für sein Werk, unter anderem mit dem Grimme-Preis, dem Berliner Kunstpreis, dem Goldenen Löwen der Biennale Venedig oder dem Nestroy-Theaterpreis. Er wurde als einer der wichtigsten Vertreter der deutschen Avantgarde angesehen und als “letzter großer Gesamtkunstwerker” bezeichnet. Sein Werk wurde nach seinem Tod in zahlreichen Retrospektiven, Ausstellungen, Publikationen und Filmen gewürdigt.

Christoph Schlingensief hinterließ ein vielfältiges und einzigartiges Werk, das bis heute inspiriert, provoziert und berührt. Er war ein Künstler, der sich nicht scheute, seine Stimme zu erheben und seine Visionen zu verwirklichen. Er war ein Künstler, der das Leben feierte, auch im Angesicht des Todes.

Bild: Shutterstock | Shutterstock

Bildquellen auf dieser Seite:

  • September,13,,2006,-,Berlin:,Christoph,Schlingensief,Explaining,His,Latest: Shutterstock | Shutterstock

Heute ist außerdem...

Sehen Sie, was heute sonst noch los ist.

Entdecken