Nach mehr als einem Jahrhundert konnte das größte und umfassendste Wörterbuch der deutschen Sprache endlich fertiggestellt werden. Am 4. Januar 1961 wurde der 32. und letzte Band des Deutschen Wörterbuches veröffentlicht, der die Wörter von Z bis Zythum enthält. Damit wurde ein monumentales Werk abgeschlossen, das mit den berühmten Brüdern Grimm begann.
Die Gebrüder Grimm, Jacob und Wilhelm, sind vor allem für ihre Sammlung von Märchen bekannt, die sie im 19. Jahrhundert veröffentlichten. Doch sie waren auch Sprachwissenschaftler, die sich für die Geschichte und Entwicklung der deutschen Sprache interessierten. Im Jahr 1838 erhielten sie den Auftrag, ein umfangreiches Wörterbuch der deutschen Sprache zu erstellen, das alle Dialekte, historischen Quellen und literarischen Werke berücksichtigen sollte. Die Brüder lehnten zunächst ab, da sie als Universitätsprofessoren in Göttingen beschäftigt waren und keine Zeit für ein solches Projekt hatten.
Doch das Schicksal wollte es anders. Im Jahr 1837 kam es zu einem politischen Konflikt zwischen dem König von Hannover, Ernst August I., und den liberalen Professoren der Universität Göttingen, die sich für eine Verfassung einsetzten. Die Brüder Grimm gehörten zu den sogenannten “Göttinger Sieben”, die gegen die Aufhebung der Verfassung protestierten und dafür von dem König entlassen und ausgewiesen wurden. Damit verloren sie ihre akademischen Positionen, aber gewannen die Möglichkeit, sich dem Deutschen Wörterbuch zu widmen.
Die Brüder Grimm begannen im Jahr 1840 mit der Arbeit an dem Wörterbuch, das ursprünglich in sechs bis zehn Bänden erscheinen sollte. Sie sammelten und ordneten Zehntausende von Wörtern, Belegen und Bedeutungen, die sie aus verschiedenen Quellen entnahmen. Sie legten großen Wert auf die historische und etymologische Herleitung der Wörter, sowie auf ihre Verwendung in der Literatur und im Volksglauben. Sie schrieben die Artikel mit der Hand und schickten sie an den Verlag, der sie druckte und veröffentlichte.
Doch die Brüder Grimm unterschätzten den Umfang und die Schwierigkeit ihrer Aufgabe. Sie kamen nur langsam voran und mussten immer wieder ihre Pläne ändern. Sie erlebten auch persönliche Schicksalsschläge, wie den Tod von Wilhelms Frau und Kindern. Wilhelm starb im Jahr 1859, nachdem er bis zum Buchstaben D gekommen war. Jacob setzte die Arbeit allein fort, bis er im Jahr 1863 starb, nachdem er bis zum Buchstaben F gekommen war.
Die Arbeit an dem Wörterbuch wurde von anderen Sprachwissenschaftlern fortgesetzt, die sich an die Vorgaben der Brüder Grimm hielten, aber auch eigene Beiträge leisteten. Das Wörterbuch wuchs immer weiter an, sowohl in Umfang als auch in Qualität. Es wurde zu einer unerschöpflichen Quelle des Wissens über die deutsche Sprache, ihre Geschichte, ihre Vielfalt und ihre Schönheit. Es wurde auch zu einem nationalen Symbol, das die Einheit und Identität der Deutschen widerspiegelte.
Das Deutsche Wörterbuch umfasste bei seiner Fertigstellung 32 Bände mit insgesamt 330.000 Stichwörtern, die 67.000 Seiten füllen. Es enthielt mehr als 1,5 Millionen Belege aus über 6.000 Quellen, die einen Zeitraum von 1.000 Jahren abdecken. Es ist damit das größte und umfassendste Wörterbuch einer einzelnen Sprache, das je geschrieben wurde. Es ist auch das älteste noch fortgeführte Wörterbuch der Welt, das mehrere Generationen von Sprachforschern beschäftigt hat.
Das Deutsche Wörterbuch ist ein kultureller Schatz, der nicht nur die deutsche Sprache, sondern auch die deutsche Literatur, Geschichte und Gesellschaft dokumentiert. Es ist ein unverzichtbares Nachschlagewerk für alle, die sich für die deutsche Sprache interessieren oder sie lernen wollen. Es ist auch ein Zeugnis für die Leidenschaft und die Hingabe der Brüder Grimm und ihrer Nachfolger, die ein Werk von unschätzbarem Wert geschaffen haben. Das Deutsche Wörterbuch ist ein Meisterwerk, das die deutsche Sprache in all ihrer Fülle und Pracht zeigt.
Für Besserwisser hier noch ein interessanter Fakt: Das Deutsche Wörterbuch war ab dem Jahr 1992 Hauptmotiv auf der Rückseite des 1000-DM-Scheins. Unter der Webseite https://www.dwds.de/ findet man das Wörterbuch der Deutschen Sprache auch im Internet.
