Am 8. Januar jährt sich der Todestag von Marco Polo, dem venezianischen Händler und Entdecker, der durch seine Reiseberichte aus dem Reich des Kublai Khan bekannt wurde. Seine Erzählungen von fernen Ländern, exotischen Tieren, kostbaren Schätzen und fremden Kulturen faszinieren bis heute Leser aus aller Welt.
Marco Polo wurde 1254 in Venedig geboren, einer mächtigen Handelsrepublik, die damals den Mittelmeerraum beherrschte. Sein Vater Niccolò und sein Onkel Maffeo waren ebenfalls Händler, die sich auf den Handel mit Edelsteinen spezialisiert hatten. Als Marco noch ein Kind war, brachen sie zu einer Reise auf, um ihre Waren im Osten zu verkaufen. Über Konstantinopel gelangten sie auf die Krim, wo sie ein Kontor betrieben. Von dort aus wagten sie sich weiter in das Gebiet der Mongolen vor, die damals ein riesiges Reich von China bis Russland beherrschten. Sie erreichten die Stadt Sarai, die Hauptstadt der Goldenen Horde, wo sie vom Khan Berke freundlich empfangen wurden. Dieser schickte sie weiter zu seinem Bruder Hülegü, dem Herrscher von Persien, der sie wiederum zu seinem Neffen Kublai Khan, dem Kaiser von China, weiterleitete. Die Reise dauerte mehrere Jahre, und die Polos mussten viele Gefahren und Strapazen überwinden. Sie überquerten Wüsten, Gebirge, Flüsse und Steppen, begegneten verschiedenen Völkern, Religionen und Sprachen, und sahen viele Wunder, die sie noch nie zuvor gesehen hatten.
Die Polos erreichten schließlich die Stadt Shangdu, die Sommerresidenz von Kublai Khan, im Jahr 1266. Der Khan war der Enkel von Dschingis Khan, dem Gründer des Mongolenreiches, und der mächtigste Herrscher seiner Zeit. Er war sehr neugierig auf die Welt jenseits seines Reiches, und besonders an Europa interessiert. Er empfing die Polos sehr gnädig, und war beeindruckt von ihrem Wissen und ihrer Kultur. Er stellte Fragen über das Christentum, die Päpste, die Könige, die Gesetze, die Geographie und die Handelswege Europas und bat sie, ihm einen Brief vom Papst zu bringen, sowie hundert Gelehrte, die ihm die christliche Lehre erklären sollten. Er gab ihnen auch einen goldenen Paiza, eine Art Pass, der ihnen freien Zugang zu seinem Reich gewährte. Die Polos willigten ein, und machten sich auf den Rückweg nach Europa.
Die Rückreise der Polos war nicht weniger beschwerlich als die Hinreise. Sie mussten mehrere Kriege, Seuchen, Unfälle und Räuber überstehen, und verloren fast alle ihre Begleiter und ihr Gepäck. Sie erreichten Akkon im Heiligen Land im Jahr 1269, wo sie erfuhren, dass Papst Clemens IV. gestorben war, und dass es noch keinen Nachfolger gab. Sie warteten drei Jahre, bis Papst Gregor X. gewählt wurde, und übergaben ihm den Brief von Kublai Khan. Der Papst konnte ihnen jedoch nur zwei Mönche mitgeben, die bald wieder umkehrten. Die Polos machten sich daher allein auf den Weg nach China, diesmal über den Seeweg. Sie fuhren von Akkon nach Hormus, von dort nach Ormus, und dann entlang der Küste Indiens, Südostasiens und Chinas. Sie erreichten schließlich die Stadt Quanzhou im Jahr 1275, nach einer Reise von 24 Jahren.
Kublai Khan war erfreut, die Polos wiederzusehen, und nahm sie in seinen Dienst. Er schickte sie als seine Gesandten, Verwalter, Spione und Boten in verschiedene Teile seines Reiches. Sie bereisten China, Tibet, Birma, Indochina, Indonesien und möglicherweise auch Japan. Sie sahen die Pracht und den Reichtum der mongolischen Zivilisation, die damals die fortschrittlichste der Welt war. Sie bewunderten die Papierwährung, die Kanäle, die Poststationen, die Kohleheizung, die Porzellanherstellung, die Seidenproduktion, die Druckkunst, die Schießpulverwaffen und viele andere Erfindungen, die in Europa noch unbekannt waren. Sie lernten auch die Sitten und Gebräuche der verschiedenen Völker kennen, die unter der Herrschaft des Khans lebten, wie die Tataren, die Mongolen, die Chinesen, die Uiguren, die Tibeter, die Burmesen, die Siamesen, die Javaner und viele andere. Sie beschrieben ihre Religionen, ihre Sprachen, ihre Kleidung, ihre Nahrung, ihre Feste, ihre Musik, ihre Tänze, ihre Spiele, ihre Magie, ihre Medizin, ihre Astrologie und ihre Tierwelt.
Die Polos blieben 17 Jahre lang im Dienst von Kublai Khan, der sie sehr schätzte und ihnen viele Ehren und Geschenke verlieh. Sie wurden reich und berühmt, und genossen ein angenehmes Leben am Hof des Khans. Doch sie sehnten sich nach ihrer Heimat, und fürchteten um ihr Erbe. Sie baten den Khan mehrmals um die Erlaubnis, nach Venedig zurückzukehren, aber er lehnte immer ab. Erst im Jahr 1292 bot sich ihnen eine Gelegenheit, als der Khan sie beauftragte, eine mongolische Prinzessin nach Persien zu begleiten, wo sie den Ilchan Arghun heiraten sollte. Die Polos nahmen die Aufgabe an, und verabschiedeten sich von Kublai Khan, den sie nie wiedersehen sollten. Sie nahmen auch viele Schätze mit, die sie während ihrer Reise gesammelt hatten, vor allem Edelsteine, Perlen, Seide, Gold und Silber.
Die Abreise aus China war jedoch nicht weniger gefährlich als die Ankunft. Die Polos mussten viele Hindernisse und Feinde überwinden, und verloren fast alle ihre Begleiter und ihr Gepäck. Sie fuhren von Quanzhou nach Sumatra, von dort nach Sri Lanka, und dann nach Hormus. Dort erfuhren sie, dass der Ilchan Arghun gestorben war, und dass die Prinzessin einen anderen Mann heiraten musste. Sie setzten ihre Reise fort, und erreichten schließlich Venedig im Jahr 1295, nach einer Abwesenheit von 24 Jahren.
Die Polos kamen in ihrer Heimatstadt an, wo sie kaum noch jemand erkannte. Sie hatten sich sehr verändert, und sprachen mehrere Sprachen, aber kaum noch Italienisch. Sie trugen auch fremdartige Kleidung, und hatten viele Geschichten zu erzählen. Sie luden ihre Verwandten und Freunde zu einem Fest ein, wo sie ihnen ihre Schätze zeigten, und ihnen von ihren Erlebnissen berichteten. Sie erregten damit viel Aufsehen und Bewunderung, aber auch Neid und Misstrauen. Viele hielten sie für Lügner, die sich mit erfundenen Geschichten wichtig machen wollten.
Marco Polo nahm bald wieder seine Geschäfte auf, und wurde ein angesehener Bürger Venedigs. Er heiratete eine Frau namens Donata, mit der er drei Töchter hatte. Er beteiligte sich auch an der Politik und dem Krieg seiner Stadt. Im Jahr 1298 kämpfte er in der Seeschlacht von Curzola gegen die rivalisierende Republik Genua, wo er gefangen genommen wurde. Er wurde in ein Gefängnis in Genua gebracht, wo er einen Mitgefangenen namens Rustichello da Pisa traf, der ein Schriftsteller war. Marco Polo erzählte ihm seine Reiseberichte, die Rustichello auf Französisch aufschrieb. Dieses Buch wurde später als Il Milione oder Das Buch der Wunder der Welt bekannt, und wurde in viele Sprachen übersetzt, und viele Kopien und Versionen wurden angefertigt. Das Wunder der Welt enthielt viele Informationen und Beschreibungen über Asien, die in Europa noch unbekannt oder falsch verstanden waren. Es eröffnete den Europäern eine neue Sicht auf die Welt, und weckte ihr Interesse und ihre Neugier für die fernen Länder. Es inspirierte auch viele andere Reisende, Entdecker und Schriftsteller, wie Christoph Kolumbus, Vasco da Gama, Johannes Gutenberg, Leonardo da Vinci, Niccolò Machiavelli, Miguel de Cervantes und viele andere.
Das Buch war jedoch nicht nur ein historisches Dokument, sondern auch ein literarisches Werk. Es enthielt viele Erzählungen, Legenden, Fabeln, Wunder, Übertreibungen und Fehler, die aus der Phantasie, dem Hörensagen, der Vermischung oder der Verfälschung der Autoren stammten. Es war daher nicht immer zuverlässig oder genau, und wurde oft kritisiert oder angezweifelt. Viele moderne Historiker, Geographen, Archäologen und Linguisten haben versucht, die Wahrheit von der Fiktion zu trennen, und die Quellen, die Orte, die Personen und die Ereignisse, die im Buch erwähnt werden, zu identifizieren und zu verifizieren. Dies ist jedoch nicht immer möglich oder eindeutig, und das Buch bleibt ein Rätsel und ein Reiz für die Leser.
Marco Polo wurde im Jahr 1299 aus dem Gefängnis entlassen, nachdem Venedig und Genua einen Friedensvertrag geschlossen hatten. Er kehrte nach Venedig zurück, wo er sein Leben als Händler und Bürger fortsetzte. Er starb im Jahr 1324, im Alter von 70 Jahren. Er wurde in der Kirche San Lorenzo begraben, aber sein Grab ist heute nicht mehr auffindbar.
Marco Polo gilt als der berühmteste Asienreisende aller Zeiten, und als einer der ersten Globalisierer der Geschichte, ein Pionier der interkulturellen Kommunikation, des Handels, der Diplomatie und der Geographie. Er war ein Abenteurer, ein Entdecker, ein Erzähler und ein Schriftsteller – ein Mann, der seinen Traum verwirklichte, die Welt zu sehen und zu verstehen.
