Am 14. Juli 1881 wurde in Berlin ein kleines Heftchen mit dem Titel „Verzeichniss der bei der Fernsprecheinrichtung Betheiligten“ veröffentlicht. Es handelte sich um das erste deutsche Telefonbuch, das die Namen, Adressen und Telefonnummern von 185 Teilnehmern der neu eingerichteten Fernsprech-Vermittlungsanlage in Berlin enthielt. Das Heftchen war das Ergebnis einer technischen und gesellschaftlichen Revolution, die von dem preußischen Generalpostmeister Heinrich von Stephan vorangetrieben wurde.
Von Stephan war ein Visionär, der die Bedeutung der Telekommunikation für die Entwicklung des Landes erkannte. Er war fasziniert von der Erfindung des Telefons durch Alexander Graham Bell im Jahr 1876 und wollte diese Technologie nach Deutschland bringen. Bereits im Oktober 1877 führte er das erste Telefongespräch in Berlin durch, indem er das Generalpostamt mit dem Generaltelegraphenamt verband. Er setzte sich dafür ein, dass die deutsche Bezeichnung „Fernsprecher“ für das Telefon verwendet wurde.
Um ein öffentliches Fernsprechnetz aufzubauen, nutzte von Stephan seine politischen und wirtschaftlichen Kontakte, unter anderem zu Reichskanzler Otto von Bismarck und dem Unternehmer Werner Siemens. Am 1. April 1881 nahm die erste Berliner Vermittelungsanlage der Stadtfernsprecheinrichtung ihren Betrieb auf, die zunächst 100 Anschlüsse bediente. Drei Monate später erschien das erste Telefonbuch, das die „Beteiligten“ in alphabetischer Reihenfolge und nach Nummern auflistete. Die Nummern reichten von 1 bis 400, waren aber nicht vollständig vergeben.
Das Telefonbuch war damals noch kein Massenmedium, sondern ein exklusives Produkt für eine kleine Elite. Die meisten Teilnehmer waren Banken, Börsenmakler, Industrielle oder Ministerien. Die Kosten für einen Telefonanschluss waren hoch und die Technik noch unzuverlässig. Zudem stieß das Telefon auf Skepsis und Spott bei vielen Menschen, die es als unnötig oder gefährlich ansahen. Das Telefonbuch wurde im Volksmund als „Buch der Narren“ bezeichnet.
Doch von Stephan ließ sich nicht beirren und trieb den Ausbau des Fernsprechnetzes weiter voran. Er erkannte auch die Bedeutung des internationalen Anschlusses und initiierte den ersten grenzüberschreitenden Fernsprechverkehr zwischen Deutschland und Frankreich im Jahr 1883. Er gilt als einer der Gründerväter der modernen Telekommunikation in Deutschland.
Das Telefonbuch entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einem wichtigen Informations- und Werbemedium, das über Millionen von privaten und gewerblichen Kontakten verfügte. Heute ist das Telefonbuch in Deutschland nicht mehr als gedruckte Ausgabe, sondern online und auf mobilen Endgeräten verfügbar. Es bietet neben den Adress- und Kontaktdaten auch weitere Funktionen wie Stadtpläne, Notfallnummern oder Bewertungen lokaler Geschäfte an.

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