Am 21. Juli wird in Deutschland und vielen anderen Ländern der Gedenktag für verstorbene Drogenabhängige begangen. Er erinnert an Menschen, die infolge ihres Drogenkonsums gestorben sind; sei es durch eine Überdosis, durch langfristige gesundheitliche Folgen, durch Begleiterkrankungen oder durch den sozialen Abstieg, der für viele tödlich endete. Der Tag richtet sich an Angehörige, Helfer und alle, die sich mit dem Thema auseinandersetzen. Vor allem aber erinnert er an diejenigen, die nicht mehr da sind.
Entstanden ist dieser Tag 1998 in Gladbeck, als eine Gruppe von Eltern erstmals öffentlich auf die hohe Zahl drogenbedingter Todesfälle aufmerksam machte. Inzwischen finden am 21. Juli in mehr als 70 Städten Veranstaltungen statt. Es gibt Mahnwachen, stille Gedenkfeiern, aber auch Kundgebungen, bei denen Betroffene, Fachleute und Unterstützer das Thema in die Öffentlichkeit tragen.
Im Jahr 2023 starben in Deutschland laut Bundeskriminalamt 2.227 Menschen an den Folgen ihres Drogenkonsums. Das waren mehr als im Jahr zuvor. Die häufigste Ursache war der Missbrauch von Opioiden, oft in Kombination mit weiteren Substanzen. Auch synthetische Drogen und Mischkonsum nehmen zu. Hinter jeder Zahl steht ein Mensch, dessen Leben zu früh endete; oft in schwierigen Lebensumständen, nicht selten einsam und ausgegrenzt.
Der Gedenktag will diese Menschen sichtbar machen. Auf öffentlichen Plätzen werden Kerzen entzündet, Namen verlesen oder leere Schuhe aufgestellt, die an einzelne Schicksale erinnern. Gleichzeitig fordern viele Organisationen politischen Wandel. Der JES Bundesverband, akzept e. V. und andere setzen sich für eine Entkriminalisierung des Drogenkonsums ein, ebenso für mehr Drogenkonsumräume, niedrigschwellige Hilfsangebote und eine bessere medizinisch-psychosoziale Betreuung.
Denn der Tod durch Drogen ist nicht nur eine Folge individueller Entscheidungen. Er ist auch Ausdruck gesellschaftlicher Verhältnisse. Viele Abhängige haben keinen Zugang zu Therapieplätzen, keine Krankenversicherung, keine feste Unterkunft. Sie fallen durch alle Raster und bleiben ohne Hilfe.
Hinter jeder Sucht steht eine Geschichte. Oft ist es eine Geschichte von Gewalt, Vernachlässigung oder Verlust. Viele Gedenkveranstaltungen geben diesen Geschichten Raum, etwa durch Gespräche, Lesungen oder Ausstellungen. Der Mensch rückt wieder in den Mittelpunkt, nicht die Substanz.
Der 21. Juli ist kein Tag des Urteils, sondern ein Tag der Verantwortung. Er stellt Fragen: Wie gehen wir als Gesellschaft mit Sucht um? Welche Möglichkeiten zur Hilfe stellen wir bereit? Und wie begegnen wir Menschen, die mit Drogen leben oder daran zugrunde gehen?
Es ist ein stiller Tag, aber ein deutlicher. Er ruft dazu auf, nicht wegzusehen, sondern hinzuhören. Und er erinnert daran, dass jedes Leben zählt.
