Am 8. August wird in den Vereinigten Staaten der sogenannte National Braiders Day begangen, der auf Deutsch am treffendsten als Tag der Flechtkunst bezeichnet werden kann. Dieser Tag würdigt das handwerkliche Können, die kulturelle Tiefe und die oft übersehene gesellschaftliche Bedeutung des Haarsflechtens, insbesondere in afroamerikanischen und afrikanischen Communities. Ins Leben gerufen wurde dieser Thementag im Jahr 2019 von Ezbraid, einem Unternehmen, das sich der Pflege und Weiterentwicklung von Flechtfrisuren sowie der Unterstützung von Flechtkünstlern widmet.
Der Tag der Flechtkunst will nicht nur das ästhetische Ergebnis in den Mittelpunkt stellen, sondern auch die Menschen, die dieses Kunsthandwerk beherrschen. Flechtfrisuren haben eine jahrhundertealte Tradition, die weit über rein modische Aspekte hinausgeht. In vielen Kulturen dienen sie als Ausdruck von Identität, sozialem Status, Gruppenzugehörigkeit oder familiärem Erbe. Gleichzeitig ist das Flechten für viele ein Beruf oder eine Berufung, die sowohl Kreativität als auch Geduld und Erfahrung erfordert.
Ein besonderer Anlass für die Einrichtung dieses Tages war der Fall der afroamerikanischen Stylistin Isis Brantley aus Texas, die 1997 verhaftet wurde, weil sie ohne eine staatlich anerkannte Kosmetiklizenz Haare geflochten hatte. Dieser Vorfall löste eine langjährige Debatte über die Rechtmäßigkeit solcher Regulierungen aus. Brantley setzte sich energisch dafür ein, dass das Flechten als eigenständiges Handwerk anerkannt wird, das nicht den gleichen gesetzlichen Vorgaben wie chemische oder invasive kosmetische Behandlungen unterliegt. Ihr Einsatz trug dazu bei, dass in mehreren Bundesstaaten die Anforderungen für Braider gelockert oder angepasst wurden.
Der Tag der Flechtkunst ist daher auch ein Tag des Engagements für berufliche Freiheit und gegen übermäßige Bürokratie. Viele Flechterinnen und Flechter arbeiten informell, oft ohne Zugang zu rechtlich sicheren Rahmenbedingungen oder fairen Ausbildungsmöglichkeiten. Der Aktionstag rückt diese Ungleichheiten ins Bewusstsein und appelliert an Gesellschaft und Gesetzgeber, traditionelle Handwerke angemessen zu schützen und zu fördern.
Gleichzeitig ist der Tag ein Anlass zur Wertschätzung. Viele Menschen verbinden mit dem Flechten Erinnerungen an Kindheit, Gemeinschaft und familiäre Nähe. Ob kunstvolle Zöpfe, Cornrows, Twists oder klassische Flechtfrisuren, die Vielfalt der Techniken ist groß, und jede Stilrichtung trägt eine eigene Geschichte in sich. Der Tag der Flechtkunst ermutigt dazu, diese Geschichten zu erzählen, weiterzugeben und das Können derjenigen zu würdigen, die mit ihren Händen Tag für Tag kreative Arbeit leisten.
In einem weiteren Sinne erinnert der Tag auch daran, dass Schönheitskultur nicht auf Modetrends beschränkt ist, sondern tief mit gesellschaftlichen Strukturen, Herkunft und Selbstbewusstsein verbunden sein kann. Das Flechten ist ein Symbol für Kontinuität und Wandel zugleich. Es ist handwerkliche Praxis, kulturelles Erbe und oft auch ein stilles politisches Statement.

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- Wolfgang_Sawallisch_1988-CC-BY-SA-40: Andrea Riegel (Düsseldorf) | CC BY-SA 4.0 International