Am 16. August feiern Achterbahnfans weltweit den sogenannten National Roller Coaster Day, der sich auch im deutschsprachigen Raum als Tag der Achterbahnen etabliert hat. Er erinnert an ein bedeutendes Datum der Freizeitparkgeschichte: Am 16. August 1898 erhielt der US-Amerikaner Edwin Prescott ein Patent für eine Looping-Achterbahn mit vertikaler Schleife; eine technische Innovation, die den Weg für spätere Entwicklungen ebnete. Ob dieser Tag tatsächlich die Wurzel des heutigen Aktionstages bildet, ist nicht abschließend geklärt, doch hat sich das Datum unter Fans als inoffizieller Feiertag für das Genre durchgesetzt.
Seit den Anfängen im 19. Jahrhundert, als erste Schienenfahrten eher an rollende Sitzbänke auf Holzgestellen erinnerten, hat sich die Welt der Achterbahnen rasant weiterentwickelt. Heute sind sie Sinnbild für Ingenieurskunst, computergestütztes Design und fein abgestimmte Fahrdynamik. Rund 5.000 Achterbahnen sind weltweit in Betrieb; von traditionellen Holzbahnen bis zu modernen Stahlkonstruktionen mit Katapultstart, Freifallpassagen oder mehrfachen Überschlägen. In den USA, dem Ursprungsland der kommerziellen Achterbahn, gibt es mit über 700 Bahnen die höchste Dichte. China folgt mit mehr als 500 installierten Anlagen, gefolgt von Japan, Großbritannien und Deutschland.
Die Superlative der Branche lesen sich wie eine Liste für Adrenalinjunkies. Die höchste Achterbahn der Welt ist derzeit Kingda Ka im Freizeitpark Six Flags Great Adventure in New Jersey; sie erreicht eine Höhe von 139 Metern und beschleunigt in wenigen Sekunden auf über 200 km/h. Die schnellste Bahn ist Formula Rossa im Themenpark Ferrari World in Abu Dhabi mit einer Höchstgeschwindigkeit von 240 km/h – schneller als ein Formel-1-Wagen auf vielen Strecken. Mit einer Länge von 2.479 Metern ist der japanische Steel Dragon 2000 der unangefochtene Spitzenreiter in Sachen Streckenführung.
Auch Deutschland braucht sich im internationalen Vergleich nicht zu verstecken. Der Europa-Park in Rust, Deutschlands größter Freizeitpark, ist mit mehreren Großachterbahnen international anerkannt. Die dortige Bahn Blue Fire Megacoaster kombiniert Katapultstart, Loopings und enge Kurvenfolgen auf einer Strecke von über einem Kilometer bei bis zu 100 km/h. Der Fluch von Novgorod im Hansa-Park an der Ostsee gilt als eine der atmosphärisch dichtesten Achterbahnen Europas und kombiniert Dunkelabschnitte mit einem 97-Grad-Sturz. Im Süden Bayerns bietet der Sky Wheel im Skyline Park bei Bad Wörishofen ein ungewöhnliches Fahrerlebnis: Der Sky Loop des X-Car-Coasters hebt die Fahrgäste kopfüber in 46 Meter Höhe. Im Erlebnispark Tripsdrill beschleunigt der Karacho in nur 1,6 Sekunden von null auf 100 km/h, das ist ein Spitzenwert auch im internationalen Vergleich. Und der Huracan im Leipziger Freizeitpark Belantis fordert mit fünf Inversionen und 97 Grad Gefälle selbst hartgesottene Besucher heraus.
Während neue Themenparks entstehen und bestehende Anlagen ständig modernisiert werden, bleibt der Reiz von Achterbahnen zeitlos. Sie verbinden die Faszination für Technik mit dem uralten menschlichen Wunsch nach Geschwindigkeit, Herausforderung und Grenzerfahrung, und das auf eine Weise, die kein Bildschirm simulieren kann. Der 16. August ist deshalb mehr als nur ein kurioser Aktionstag; er erinnert daran, dass Ingenieurskunst auch Begeisterung auslösen kann.
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