Am 18. August 1922 wurden in Berlin die Papierformate festgelegt, die bis heute den Büro- und Druckalltag prägen. Mit der Norm DIN 476 führte der damalige Normenausschuss der deutschen Industrie ein System ein, das auf dem Seitenverhältnis der Quadratwurzel aus zwei beruht. Ausgangspunkt war das Format A0 mit einer Fläche von genau einem Quadratmeter. Daraus leiten sich alle weiteren Formate durch Halbieren oder Verdoppeln ab. Das bis heute allgegenwärtige A4-Format misst folgerichtig 210 mal 297 Millimeter. Entwickelt wurde das System vom Ingenieur Walter Porstmann, der damit die Vielzahl an uneinheitlichen Papiergrößen ablöste.
Die Vorteile dieser Logik sind bis heute spürbar. Ein A3-Bogen entsteht aus zwei A4-Seiten, ein A5-Heft aus einem gefalteten A4-Blatt. Kopiergeräte und Drucker können deshalb Dokumente ohne Verzerrung vergrößern oder verkleinern. Auch die Berechnung des Papiergewichts ist einfach, da A0 einen Quadratmeter umfasst und sich die Masse direkt aus dem angegebenen Grammgewicht pro Quadratmeter errechnen lässt.
Schon vor dem Zweiten Weltkrieg fand das deutsche System internationale Beachtung, 1975 wurde es als ISO 216 weltweit normiert. In fast allen Ländern setzte sich A4 als Standardgröße für Schriftstücke durch. Lediglich in den USA und in Kanada blieb das abweichende „Letter“-Format gebräuchlich. Für Umschläge wurde ergänzend die C-Reihe eingeführt, die auf die Formate der A-Reihe abgestimmt ist.
Die Einführung der Norm hatte weitreichende Folgen. Einheitliche Papiergrößen vereinfachten nicht nur das Drucken, Kopieren und Archivieren, sondern auch die Gestaltung von Büchern, Zeitschriften und Formularen. Sie senkten die Produktions- und Lagerkosten, vereinfachten den internationalen Dokumentenaustausch und trugen dazu bei, dass Papier effizienter genutzt wird. Mehr als hundert Jahre nach der Einführung von DIN 476 bleibt die Entscheidung von 1922 ein Musterbeispiel dafür, wie eine kluge Normierung das tägliche Leben nachhaltig prägen kann.
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- Verschiedene Papierformate in einem Regal KI wn: Werner Niedermeier | Werner Niedermeier