München hat am 20. September 2025 die 190. Ausgabe des Oktoberfestes eröffnet. Pünktlich um zwölf Uhr mittags zapfte der Oberbürgermeister im Schottenhamel-Festzelt das erste Fass Bier an, begleitet vom traditionellen Ruf „O’zapft is!“. Damit begann wieder jenes Volksfest, das seit über zwei Jahrhunderten fester Bestandteil der bayerischen Kultur ist und jährlich Millionen Besucher aus aller Welt anzieht.
Die Wurzeln des Festes reichen bis in das Jahr 1810 zurück, als Kronprinz Ludwig seine Hochzeit mit Prinzessin Therese feierte. Auf der nach ihr benannten Theresienwiese wurde damals ein Pferderennen veranstaltet, das so großen Anklang fand, dass es im folgenden Jahr wiederholt wurde. Aus dieser Feier entwickelte sich nach und nach ein Volksfest, das durch Schausteller, Fahrgeschäfte und Bierzelte immer weiter wuchs und heute als das größte Volksfest der Welt gilt.
Die Geschichte des Oktoberfestes ist auch eine Geschichte der Unterbrechungen und Wiederaufnahmen. Kriege, Epidemien und zuletzt die Corona-Pandemie führten zu Absagen, doch immer wieder kehrte das Fest zurück und passte sich den jeweiligen Zeiten an. Dabei blieb der Kern unverändert: die Verbindung von bayerischer Tradition, ausgelassenem Feiern und internationaler Anziehungskraft. Mit dem wachsenden Interesse aus dem Ausland und den steigenden Besucherzahlen wurde die Wiesn über die Jahrzehnte zu einem globalen Markenzeichen Münchens.
Auch im Jahr 2025 zeigt sich das Oktoberfest traditionsbewusst und zugleich erneuerungsfreudig. Erstmals gibt es einen Musikwettbewerb, mit dem die auftretenden Kapellen um Plätze in den Zelten konkurrieren. Ziel ist es, die musikalische Vielfalt zu vergrößern und das Fest noch attraktiver zu gestalten. Außerdem wurde die Zahl der reservierungsfreien Sitzplätze verringert, um den Ablauf besser zu steuern und die Auslastung der Zelte zu regulieren. Auf dem Festplatz, der in diesem Jahr 34,5 Hektar umfasst, sind 468 Betriebe vertreten, darunter 36 Restaurants, 238 Fahrgeschäfte und 170 Verkaufsstände. Vier neue Fahrgeschäfte feiern Premiere, und auch die „Oidn Wiesn“, die sich der historischen Seite des Oktoberfestes widmet, wurde wieder mit Leben gefüllt.
Ein Blick auf die Zahlen macht deutlich, wie sehr sich die Wiesn im Laufe der Zeit verändert hat. In den 1950er Jahren wurden rund 1,5 Millionen Liter Bier ausgeschenkt, heute sind es regelmäßig über sechs Millionen Maß. Rekordhalter bleibt das Jahr 2011, als mehr als 7,9 Millionen Liter Bier konsumiert wurden. Parallel dazu stiegen die Preise für eine Maß kontinuierlich. Während man 1949 noch etwa 1,70 D-Mark bezahlte, lag der Preis Anfang der 2000er Jahre zwischen sechs und acht Euro. 2019 bewegte er sich bereits zwischen 11,50 und 12,80 Euro, 2023 zwischen 13,40 und 14,70 Euro. In diesem Jahr erreicht der Höchstpreis mit 15,50 Euro eine neue Marke. Damit liegt der Bierpreis deutlich über der allgemeinen Inflationsrate, was der sogenannte Wiesn-Preisindex eindrücklich belegt. Er zeigt, dass die Kosten für den typischen Festbesuch – zwei Maß, ein halbes Hendl und die Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln – seit den 1980er Jahren weit stärker gestiegen sind als die Lebenshaltungskosten insgesamt.
Die Eröffnung der Wiesn 2025 knüpft somit an eine lange Tradition an und setzt zugleich neue Akzente. München präsentiert sich als Gastgeber eines Festes, das Geschichte und Gegenwart miteinander verbindet und das auch in seiner 190. Ausgabe nichts von seiner Strahlkraft verloren hat. Gefeiert wird in diesem Jahr bis zum 5. Oktober, womit den Gästen ganze sechzehn Tage voller Bier, Musik und Volksfeststimmung geboten werden.
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