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23. Oktober 1923 – Höhepunkt der Hyperinflation

Vor mehr als 100 Jahren, am 23. Oktober 1923, erreichte die Hyperinflation in Deutschland ihren Höhepunkt. Die Preise stiegen an diesem Tag um mehr als das Hundertfache, die Papiermark verlor fast ihren gesamten Wert.

Vor mehr als 100 Jahren, am 23. Oktober 1923, erreichte die Hyperinflation in Deutschland ihren Höhepunkt. Die Preise stiegen an diesem Tag um mehr als das Hundertfache, die Papiermark verlor fast ihren gesamten Wert. Die Menschen mussten mit Milliarden und Billionen von Mark bezahlen, die sie in Koffern oder Schubkarren transportierten. Viele verloren ihre Ersparnisse, ihre Renten und ihre Existenzgrundlage.

Die Hyperinflation hatte ihren Ursprung im Ersten Weltkrieg, der das Deutsche Reich in eine schwere wirtschaftliche und politische Krise stürzte. Um den Krieg zu finanzieren, gab der Staat immer mehr Schuldtitel aus, die von der Reichsbank mit neu gedrucktem Geld bezahlt wurden. Die Geldmenge stieg rasant an, während die Warenknappheit durch die Kriegszerstörungen und die Handelsblockade zunahm. Die Preise begannen zu steigen und die Kaufkraft des Geldes zu sinken.

Nach dem Krieg verschärfte sich die Situation durch die hohen Reparationsforderungen der Siegermächte, die das Deutsche Reich als Kriegsschuldner anerkannt hatte. Um diese zu begleichen, musste der Staat weiterhin Geld drucken oder ausländische Kredite aufnehmen. Die Inflation beschleunigte sich und wurde ab Mitte 1922 zu einer Hyperinflation. Die Papiermark verlor immer schneller an Wert, bis sie schließlich fast wertlos wurde. Am 23. Oktober 1923 kostete eine Goldmark 100 Billionen Papiermark. Das entsprach einer Inflationsrate von über 29.000 Prozent pro Tag.

Die Hyperinflation hatte dramatische Auswirkungen auf die deutsche Gesellschaft. Die meisten Menschen verarmten oder wurden in den Ruin getrieben. Die Mittelschicht wurde praktisch ausgelöscht, die Arbeiterklasse litt unter Hunger und Arbeitslosigkeit. Nur wenige profitierten von der Krise, wie zum Beispiel Schuldner, Spekulanten oder Besitzer von Sachwerten. Die Hyperinflation führte auch zu einem Vertrauensverlust in den Staat, die Demokratie und die Währung. Viele Menschen sehnten sich nach einer autoritären Ordnung oder einer radikalen Veränderung. Die politische Instabilität und der soziale Unfrieden nahmen zu.

Die Hyperinflation endete erst im November 1923 mit der Einführung der Rentenmark als neuer Währung, die an den Goldwert gekoppelt war. Die Rentenmark ersetzte die Papiermark im Verhältnis von einer Billion zu eins. Damit wurde die Geldentwertung gestoppt und eine gewisse wirtschaftliche Erholung ermöglicht. Allerdings blieben die sozialen und psychologischen Folgen der Hyperinflation noch lange spürbar. Viele Deutsche entwickelten eine Angst vor einer erneuten Inflation oder einem Wertverlust ihres Geldes. Diese Angst prägte auch die spätere Wirtschafts- und Geldpolitik Deutschlands.

Die Hyperinflation von 1923 war eine der schwersten Wirtschaftskrisen in der deutschen Geschichte. Sie zeigte, wie zerstörerisch eine unkontrollierte Geldschöpfung sein kann und wie wichtig ein stabiler Geldwert für eine funktionierende Gesellschaft ist. Sie hinterließ tiefe Narben in der deutschen Seele und beeinflusste das kollektive Gedächtnis bis heute.

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