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6. Januar 2026 – Tag der Frau Holle

Der 6. Januar ist in Deutschland vor allem als Dreikönigstag bekannt, kirchlich als Epiphanias. In Teilen Mitteldeutschlands und in einigen Regionen Hessens trägt dieses Datum im Volksglauben jedoch noch einen zweiten Namen: Tag der Frau Holle.

Der 6. Januar ist in Deutschland vor allem als Dreikönigstag bekannt, kirchlich als Epiphanias. In Teilen Mitteldeutschlands und in einigen Regionen Hessens trägt dieses Datum im Volksglauben jedoch noch einen zweiten Namen: Tag der Frau Holle. Gemeint ist damit kein staatlich festgelegter Gedenktag, sondern eine überlieferte Bezeichnung aus dem Brauchtum rund um die Rauhnächte, also jene geheimnisumwobene Zwischenzeit „zwischen den Jahren“, die vielerorts mit der Nacht vom 5. auf den 6. Januar endet.

Warum es diesen Tag gibt, erklärt sich aus dieser Kalenderlogik des Brauchtums. Die Rauhnächte gelten traditionell als Schwellenzeit, in der Ordnung und Alltag kurz aus dem Takt geraten dürfen, aber auch in der Regeln besonders streng beachtet werden sollen. Am 6. Januar ist diese Phase vorbei; das neue Jahr beginnt im übertragenen Sinn „wirklich“. Wenn man in manchen Gegenden vom Tag der Frau Holle spricht, dann deshalb, weil Frau Holle als Gestalt genau für diese Schwelle steht: für Winter und Wetter, für Reinigung und Neubeginn, vor allem aber für eine moralische Ordnung, in der Fleiß, Maß und Anstand belohnt und Nachlässigkeit sanktioniert werden.

Die Figur selbst ist älter als das bekannte Märchen. Im populären Gedächtnis lebt Frau Holle vor allem durch die Sammlung der Brüder Grimm, mit Goldmarie und Pechmarie und dem Bild vom Kissen-Schütteln, das Schnee bringt. In der Volkskunde wird sie darüber hinaus häufig als regionale Entsprechung oder Verwandte der Sagengestalt Perchta beschrieben, die besonders im Alpenraum mit den Rauhnächten verbunden ist. Diese Verwandtschaft ist auch geografisch gedacht: Wo in südlicheren Regionen eher Perchta und Perchtenbräuche präsent sind, ist weiter nördlich und in mittleren Dialekträumen Frau Holle als Leitfigur geläufig.

Was der Tag bedeutet, lässt sich daher am besten als Deutungshilfe für den Jahreswechsel verstehen. Frau Holle markiert das Ende des Unbestimmten und die Rückkehr zu Verbindlichkeit; sie steht für das „Aufräumen“ nach der Ausnahmezeit, im wörtlichen Sinn ebenso wie im übertragenen. Viele Rauhnachtsvorstellungen kreisen um Reinigung, Schutz und den Versuch, das kommende Jahr günstig zu stimmen, etwa durch stillere Tage, durch das Meiden bestimmter Arbeiten oder durch Rituale, die Haus und Hof symbolisch sichern sollen. Ob man diese Bräuche religiös, historisch oder schlicht als winterliche Erzähltradition betrachtet, ist dabei zweitrangig; entscheidend ist, dass der 6. Januar in diesen Regionen nicht nur ein Kirchenfest ist, sondern auch ein erzählerischer Schlusspunkt unter die Zeit der Rauhnächte.

So ist der Tag der Frau Holle weniger ein „Feiertag“ im modernen Sinn als ein kulturgeschichtlicher Marker. Er erinnert daran, dass sich Kalender nicht nur aus Terminen zusammensetzen, sondern auch aus Bildern, Figuren und Geschichten, die erklären sollen, was ein Übergang bedeutet. Am 6. Januar, wenn die Nächte langsam wieder kürzer werden, gehört dazu in manchen Gegenden bis heute der Name einer alten Wintergestalt: Frau Holle, Hüterin der Schwelle, streng und großzügig zugleich, und damit eine Figur, an der man den Beginn des neuen Jahres festmachen kann.

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