Weihnachten ist eines der wichtigsten Feste für Christen auf der ganzen Welt. Doch nicht alle feiern es am gleichen Tag oder auf die gleiche Weise. Während die meisten westlichen Kirchen das Fest der Geburt Jesu am 25. Dezember begehen, feiern viele orthodoxe Kirchen es erst am 6. oder 7. Januar.
Der Grund für die unterschiedlichen Daten liegt in den verschiedenen Kalendern, die die Kirchen verwenden. Die westlichen Kirchen richten sich nach dem gregorianischen Kalender, der 1582 von Papst Gregor XIII. eingeführt wurde, um die Abweichung zwischen dem Sonnenjahr und dem julianischen Kalender zu korrigieren. Der julianische Kalender war der bis dahin gebräuchliche Kalender, der auf Julius Caesar zurückgeht und 365,25 Tage pro Jahr hat. Der gregorianische Kalender hat dagegen 365,2425 Tage pro Jahr und ist somit genauer.
Die meisten orthodoxen Kirchen haben jedoch den gregorianischen Kalender nicht übernommen, sondern halten an dem älteren julianischen Kalender fest. Das bedeutet, dass sie die kirchlichen Feste 13 Tage später feiern als die westlichen Kirchen. So fällt der 25. Dezember im julianischen Kalender auf den 7. Januar im gregorianischen Kalender. Einige orthodoxe Gemeinden, wie die griechische oder die rumänische, haben allerdings den gregorianischen Kalender für die Berechnung des Weihnachtsfestes akzeptiert und feiern es somit zeitgleich mit den westlichen Kirchen.
Es gibt aber auch noch eine weitere Besonderheit: Einige orthodoxe Kirchen, wie die russische oder die serbische, folgen einer noch älteren Version des julianischen Kalenders, die 1923 überarbeitet wurde, um die Abweichung zum gregorianischen Kalender zu verringern. Diese Kirchen feiern Weihnachten entsprechend noch einen Tag später, also am 8. Januar im gregorianischen Kalender. Dies wird ab dem Jahr 2101 sogar zwei Tage später sein.
Die Vorbereitung auf das Weihnachtsfest beginnt für viele orthodoxe Christen mit einer Fastenzeit, die 40 Tage dauert. In dieser Zeit sollen die Gläubigen ihren Körper und ihre Seele reinigen, um die Menschwerdung Christi angemessen feiern zu können. Während der Fastenzeit ist der Verzehr von tierischen Produkten, wie Fleisch, Milch oder Eier, untersagt. An manchen Tagen darf auch kein Fisch, Öl oder Wein gegessen oder getrunken werden. An anderen Tagen ist der Verzehr dieser Lebensmittel erlaubt, aber nur nach der Abendmesse. Die Fastenzeit endet am Heiligen Abend, dem 6. Januar im julianischen Kalender, mit einem großen Festmahl, das oft zwölf verschiedene Gerichte enthält, die die zwölf Apostel symbolisieren.
Die orthodoxen Christen schmücken ihre Häuser und Kirchen mit Tannenzweigen, Kerzen und Ikonen. Die Geschenke spielen im orthodoxen Weihnachtsfest eine eher untergeordnete Rolle. In manchen Ländern, wie Russland oder Serbien, werden die Geschenke erst am Neujahrstag verteilt, der im julianischen Kalender auf den 14. Januar fällt. In anderen Ländern, wie Griechenland oder Bulgarien, werden die Geschenke am 1. Januar überreicht, dem Tag des Heiligen Basilius, der als Schutzpatron der Kinder gilt. Der Heilige Basilius wird oft mit dem Weihnachtsmann verglichen, da er auch einen langen Bart und einen roten Mantel trägt. Er bringt den Kindern Süßigkeiten und Spielzeug, wenn sie brav waren, oder Kohle, wenn sie unartig waren.
Der Höhepunkt des orthodoxen Weihnachtsfestes ist die Mitternachtsmesse, die in der Nacht vom 6. auf den 7. Januar stattfindet. Die Gläubigen versammeln sich in der Kirche, die festlich geschmückt und erleuchtet ist. Die Messe beginnt mit dem Gesang von Weihnachtsliedern, die die Geburt Jesu verkünden. Dann folgen Lesungen aus der Bibel, Gebete und die Kommunion. Die Messe dauert mehrere Stunden und endet mit dem Segen des Priesters. Die Gläubigen küssen die Ikonen und wünschen sich gegenseitig ein frohes Weihnachtsfest. In manchen Ländern, wie Russland oder Serbien, wird vor der Kirche ein Feuer aus gesegneten Palmenblättern und Weihrauch entzündet, um die Hirten zu symbolisieren, die das Jesuskind besuchten.
Nach der Messe kehren die Gläubigen nach Hause zurück, um das Weihnachtsessen zu genießen. Das Essen besteht aus Fleisch, Fisch, Gemüse, Brot und Kuchen. In manchen Ländern gibt es spezielle Weihnachtsgerichte, wie zum Beispiel den russischen Kutja, ein Brei aus Weizen, Honig und Nüssen, der für Wohlstand und Gesundheit steht, oder den griechischen Vasilopita, ein Kuchen mit einer Münze darin, der für Glück und Reichtum steht. Derjenige, der die Münze findet, soll im kommenden Jahr besonders gesegnet sein.
Am Weihnachtstag, dem 7. Januar, besuchen die Gläubigen ihre Verwandten und Freunde, um ihnen Weihnachtsgrüße zu überbringen. Sie tauschen Geschenke aus, singen Weihnachtslieder und spielen Spiele. In manchen Ländern gibt es auch Umzüge oder Theaterstücke, die die Weihnachtsgeschichte darstellen. Die orthodoxen Christen feiern Weihnachten als ein Fest der Freude, der Liebe und des Friedens.

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