Der Tag der Bitterschokolade wird international als National Bittersweet Chocolate Day begangen und lenkt den Blick auf eine Schokoladensorte, die älter ist als alle anderen Varianten und zugleich moderner denn je wirkt. Bitterschokolade steht für einen Geschmack, der nicht gefällig sein will, sondern Tiefe, Herkunft und Handwerk betont. Während Milch- und weiße Schokolade vor allem Süße liefern, erinnert Bitterschokolade an ihre Wurzeln als Getränk aus gemahlenen Kakaobohnen, Wasser und Gewürzen.
Die Geschichte der Bitterschokolade reicht weit zurück. Schon die Kulturen Mittelamerikas nutzten Kakao lange vor der Ankunft der Europäer. Kakao galt als kostbares Gut, als Zahlungsmittel und als rituelles Getränk, das meist herb und scharf war. Zucker spielte dabei keine Rolle. Erst mit der Verbreitung des Kakaos in Europa im 16. und 17. Jahrhundert begann man, die Bitterkeit abzumildern. Zucker, später Milchpulver und Kakaobutter veränderten Geschmack und Textur. Die ursprüngliche dunkle Schokolade blieb jedoch erhalten und entwickelte sich zur heutigen Bitterschokolade, die bewusst an diese frühen Formen anknüpft.
Der Unterschied zu anderen Schokoladenarten liegt vor allem im Kakaoanteil und in der Zusammensetzung. Bitterschokolade enthält deutlich mehr Kakaomasse als Milchschokolade und verzichtet vollständig auf Milchbestandteile. Weiße Schokolade wiederum besteht lediglich aus Kakaobutter, Zucker und Milch und enthält keinerlei Kakaomasse. Je höher der Kakaoanteil bei Bitterschokolade ist, desto intensiver und herber fällt der Geschmack aus. Gleichzeitig treten fruchtige, nussige oder erdige Aromen stärker hervor, die von Sorte, Herkunft und Verarbeitung der Bohnen abhängen.
In den vergangenen Jahren hat Bitterschokolade einen spürbaren Bedeutungszuwachs erfahren. Nach aktuellen Branchenerhebungen liegt der Marktanteil dunkler Schokoladenprodukte in Deutschland inzwischen bei rund 15 bis 20 Prozent des gesamten Schokoladenabsatzes, mit weiter steigender Tendenz. Besonders Sorten mit einem Kakaoanteil von über 70 Prozent verzeichnen Zuwächse. Weltweit werden jährlich mehrere Millionen Tonnen Kakao verarbeitet, ein wachsender Teil davon fließt in hochwertige Bitterschokoladen. Auch der Pro-Kopf-Verbrauch zeigt Unterschiede: Während Deutsche insgesamt weiterhin zu den größten Schokoladenkonsumenten zählen, greifen Liebhaber von Bitterschokolade im Schnitt seltener, dafür bewusster zu.
Der Tag der Bitterschokolade erinnert damit nicht nur an ein Genussmittel, sondern an eine lange Kulturgeschichte, die von bitteren Anfängen über süße Abwandlungen bis hin zu einer neuen Wertschätzung für Ursprünglichkeit reicht. Bitterschokolade steht für Geschmack mit Anspruch und für die Einsicht, dass Genuss nicht immer süß sein muss.

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