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18. Januar 1901 – Erstes deutsches Kabarett gegründet

Am 18. Januar 1901 eröffnete in Berlin das erste deutsche Kabarett: das Überbrettl.

Am 18. Januar 1901 eröffnete in Berlin das erste deutsche Kabarett: das Überbrettl. Gegründet von dem Schriftsteller Ernst von Wolzogen, bot es eine neue Form der Kleinkunst, die Musik, Lyrik und Satire miteinander verband. Das Überbrettl war eine Sensation in der Kaiserzeit und beeinflusste die Entwicklung des Kabaretts bis heute. Wolzogen eröffnete sein Überbrettl am 18. Januar 1901 in der Alexanderstraße 40 gegenüber dem damaligen Polizeipräsidium Alexanderplatz im ehemaligen Berliner Sezessions-Theater unter dem Namen „Buntes Theater“

Das Überbrettl war inspiriert von den französischen Cabarets, die seit den 1880er Jahren in Paris blühten. Dort trafen sich Künstler, um sich gegenseitig ihre neuesten Werke vorzuführen und das Publikum zu unterhalten. Wolzogen wollte ein ähnliches Konzept in Deutschland umsetzen, aber mit einem höheren literarischen Anspruch. Er nannte sein Kabarett Überbrettl, um es von den üblichen Tingeltangel-Brettl zu unterscheiden und an Friedrich Nietzsches Begriff des Übermenschen anzuspielen.

Die erste Vorstellung im Überbrettl erwies sich als großer Erfolg. Auf dem Programm standen Balladen, Sketche und Lieder sowie ein Einakter von Arthur Schnitzler. Die Texte stammten von namhaften Autoren wie Christian Morgenstern, Otto Julius Bierbaum und Frank Wedekind, die Musik von Komponisten wie Victor Hollaender, Oscar Straus und Arnold Schönberg. Auf der Bühne standen junge Talente, darunter Fritzi Massary, Paul Graetz und Max Pallenberg, die dem Abend zusätzliche Frische und Energie verliehen.

Das Überbrettl war eine Attraktion für das Berliner Publikum, das nach Abwechslung und Unterhaltung suchte. Die Vorstellungen waren oft ausverkauft und die Melodien wurden auf der Straße gepfiffen. Das Kabarett bot eine Möglichkeit, sich über die gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse lustig zu machen, ohne die strenge Theaterzensur zu verletzen. Die Satire war meist subtil und ironisch, aber manchmal auch bissig und provokant.

Das Überbrettl hatte jedoch auch seine Schattenseiten. Wolzogen war kein guter Geschäftsmann und geriet bald in finanzielle Schwierigkeiten. Er musste das Kabarett mehrmals umziehen und verlor viele seiner Mitarbeiter an andere Bühnen. Die Konkurrenz war groß und das Publikum wurde anspruchsvoller. Das Überbrettl verlor an Schwung und Qualität und wandte sich immer mehr der leichten Erotik zu. 1904 gab Wolzogen die Leitung des Kabaretts auf und widmete sich anderen Projekten.

Das Überbrettl war zwar nur kurzlebig, aber es hatte einen großen Einfluss auf die Geschichte des deutschen Kabaretts. Es war die erste Bühne, die die verschiedenen Kunstformen miteinander verband und eine kritische Haltung gegenüber der Gesellschaft einnahm. Es war die Keimzelle für viele spätere Kabarettisten, die das Genre weiterentwickelten und prägten. Das Überbrettl war die Wiege des deutschen Kabaretts, das bis heute eine wichtige Rolle in der Kultur spielt.

Bild: Gemeinfrei | Gemeinfrei

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  • Buntes_Brettl-Ueberbrettl-Erstes-deutsches-Kabarett: Gemeinfrei | Gemeinfrei

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