Als die Deutsche Arbeiterpartei am 24. Februar 1920 in München öffentlich unter einem neuen Namen auftrat, war sie längst nicht mehr nur jener kleine Zirkel, als den ihre Gründer sie ein gutes Jahr zuvor angelegt hatten. Die Umbenennung der DAP in Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei, kurz NSDAP, fiel auf einen Abend, an dem die Bewegung sich demonstrativ vergrößerte: Im Hofbräuhaus stellte sie vor rund 2.000 Besuchern ihr 25 Punkte Programm vor und erklärte zugleich den neuen Parteinamen.
Entstanden war die DAP am 5. Januar 1919 in München. Initiator war der Werkzeugschlosser Anton Drexler, der gemeinsam mit dem Journalisten Karl Harrer aus dem Umfeld völkischer Kreise einen politischen Arbeiterzirkel formte, der nationalistisch und antisemitisch ausgerichtet war und sich zugleich mit einer betont arbeiterbezogenen Rhetorik von bürgerlichen Milieus absetzen wollte. Die Partei blieb zunächst eine Splittergruppe; als Treffpunkt und frühe Geschäftsstelle diente das Sterneckerbräu im Münchner Tal.
Eine Schlüsselszene, die später zur Gründungslegende der NS Bewegung werden sollte, datiert auf den 12. September 1919. An diesem Tag hielt Gottfried Feder im Sterneckerbräu einen Vortrag mit dem Titel „Wie und mit welchen Mitteln beseitigt man den Kapitalismus?“ Feder war ein Bauingenieur und wirtschaftspolitischer Agitator, der sich als Autodidakt profilierte und mit der Parole von der „Brechung der Zinsknechtschaft“ eine antisemitisch aufgeladene Erklärung für Wirtschaftskrisen und soziale Spannungen anbot; in der frühen Partei galt er als wichtiger Ideengeber für wirtschaftspolitische Schlagworte, die später auch ins Parteiprogramm einflossen.
Adolf Hitler war bei diesem Referat anwesend. Er war allerdings nicht als Parteigänger dort, sondern im dienstlichen Auftrag; Hitler arbeitete damals für eine Aufklärungs beziehungsweise Propagandaeinheit der Reichswehr, die politische Gruppierungen beobachtete. Kurz darauf trat er der DAP bei.
Mit Hitlers Beitritt veränderte sich die Dynamik der Partei rasch. Aus einem Diskussionszirkel wurde ein Vehikel politischer Agitation, das sich in Münchens Bierhallen ein Publikum suchte; Hitler erwies sich als Redner, der Aufmerksamkeit erzeugte und die programmatischen Versatzstücke der DAP mit eigenen Feindbildern und Machtansprüchen verband. Zeitgenössisch und rückblickend wird diese Phase als Übergang von der kleinen Runde zur Massenveranstaltung beschrieben, die am 24. Februar 1920 im Hofbräuhaus ihren sichtbaren Ausdruck fand. Dort präsentierten Hitler und Drexler die 25 Punkte als programmatische Klammer; zugleich wurde die Umbenennung bekanntgegeben.
Der neue Parteiname war bewusst gewählt. Mit der Bezeichnung „nationalsozialistisch“ verband die Führung zwei politische Versprechen, die auf den ersten Blick widersprüchlich wirkten, strategisch jedoch auf unterschiedliche Zielgruppen zielten. „National“ stand für völkisches Denken und radikalen Antiliberalismus. „Sozialistisch“ sollte Arbeiter ansprechen, soziale Unzufriedenheit aufgreifen und sich zugleich vom Marxismus abgrenzen. Die DAP wollte sich nicht länger als kleiner Debattierzirkel präsentieren, sondern als bewegungsorientierte Massenpartei mit klarem Profil. Die Umbenennung am 24. Februar 1920 war daher mehr als ein formaler Akt; sie markierte den Anspruch auf politische Expansion und legte den Grundstein für die weitere Radikalisierung und den raschen Aufstieg der NSDAP in den folgenden Jahren.
Bild: Werner Niedermeier | Werner NiedermeierBildquellen auf dieser Seite:
- Umbenennung DAP in NSDAP Ki wn crop: Werner Niedermeier | Werner Niedermeier