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1. März 1978 – Diebstahl von Charlie Chaplins Leichnam

In der Nacht vom 1. auf den 2. März 1978 wurde Chaplins Sarg aus dem Grab entwendet. Die Tat wurde erst am folgenden Morgen entdeckt.

Charlie Chaplin starb am 25. Dezember 1977 im Alter von 88 Jahren in seinem Haus Manoir de Ban in Corsier sur Vevey am Genfersee. Der Schauspieler und Regisseur hatte sich nach politischen Spannungen mit den Vereinigten Staaten bereits in den 1950er Jahren dauerhaft in der Schweiz niedergelassen. Seine Beisetzung erfolgte auf dem Friedhof von Corsier sur Vevey im Kanton Waadt. Nur wenige Wochen später entwickelte sich daraus einer der ungewöhnlichsten Kriminalfälle der europäischen Nachkriegsgeschichte.

In der Nacht vom 1. auf den 2. März 1978 wurde Chaplins Sarg aus dem Grab entwendet. Die Tat wurde erst am folgenden Morgen entdeckt. Schnell stellte sich heraus, dass es sich um einen Erpressungsversuch handelte. Zwei Männer hatten den Leichnam gestohlen, um von der Familie ein hohes Lösegeld zu fordern. Die Forderung belief sich auf mehrere hunderttausend Schweizer Franken.

Die Täter waren Roman Wardas, ein polnischer Automechaniker, und Gantcho Ganev, ein bulgarischer Flüchtling. Sie nahmen telefonisch Kontakt zur Familie auf. Chaplins Witwe Oona O’Neill verweigerte die Zahlung und arbeitete stattdessen mit den Schweizer Behörden zusammen. Die Polizei leitete umfangreiche Ermittlungen ein. Da die Anrufe von öffentlichen Telefonzellen aus erfolgten, konzentrierten sich die Fahnder auf systematische Überwachungsmaßnahmen in der Region um den Genfersee. Zahlreiche Telefonzellen wurden kontrolliert und Anrufe ausgewertet. Diese Strategie führte schließlich zur Identifizierung und Festnahme der Täter Anfang Mai 1978.

Der Sarg war in einem Feld nahe dem Dorf Noville vergraben worden, rund zwanzig Kilometer vom ursprünglichen Grab entfernt. Am 17. Mai 1978 wurde er geborgen und später erneut in Corsier sur Vevey bestattet. Das Grab wurde mit einer massiven Betonschicht gesichert, um weitere Störungen auszuschließen. Im Gerichtsverfahren erhielt Wardas eine mehrjährige Freiheitsstrafe, während Ganev eine mildere Strafe auf Bewährung bekam.

Neben den gesicherten Fakten existiert eine weitere Erzählung, die immer wieder im Zusammenhang mit diesem Fall auftaucht, jedoch nicht durch verlässliche historische Quellen bestätigt ist. Nach dieser Anekdote soll es im Rahmen einer geplanten oder vorgetäuschten Lösegeldübergabe zu einer besonderen Polizeimaßnahme gekommen sein. Demnach sei Oona Chaplin in einem Rolls Royce zu einem Treffpunkt gefahren, während sich im Fahrzeug ein verdeckter Polizeibeamter verborgen gehalten habe, um im entscheidenden Moment eingreifen zu können. In einigen Versionen dieser Geschichte heißt es sogar, der versteckte Beamte habe während der Fahrt mit Übelkeit zu kämpfen gehabt, was der ohnehin bizarren Situation eine fast filmische Note verliehen habe. Für diese Details finden sich jedoch keine belastbaren Belege in offiziellen Ermittlungsakten oder zeitgenössischen Qualitätsmedien. Sie gehören daher in den Bereich späterer Ausschmückungen, die möglicherweise von der besonderen Ironie des Falles inspiriert wurden.

Unabhängig von solchen Zusätzen bleibt der dokumentierte Kern des Geschehens klar. Ein spektakulärer Erpressungsversuch führte zur Störung der letzten Ruhe eines der bedeutendsten Filmkünstler des 20. Jahrhunderts. Der Fall erregte internationale Aufmerksamkeit und zeigte zugleich, wie groß die symbolische Strahlkraft Chaplins noch über seinen Tod hinaus war. Bis heute gilt der Diebstahl seines Leichnams als eines der ungewöhnlichsten Verbrechen der Kulturgeschichte.

Bild: Werner Niedermeier | Werner Niedermeier
Bild: Werner Niedermeier

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