Es dauerte nur wenige Minuten, doch diese Pressekonferenz schrieb Fußballgeschichte. Am 10. März 1998 trat Giovanni Trapattoni im Presseraum des FC Bayern vor die Mikrofone und entlud seinen Frust in einem Auftritt, der bis heute zum festen Inventar der Bundesliga-Erinnerung gehört. Der Bayern-Trainer reagierte damit auf eine sportlich und atmosphärisch aufgeheizte Lage: Die Münchner waren zuletzt sieglos geblieben, hatten in der Liga mehrere Niederlagen hinnehmen müssen und lagen im Titelrennen hinter dem 1. FC Kaiserslautern zurück. Zwei Tage zuvor hatte Bayern zudem ein Ligaspiel gegen Schalke verloren.
Trapattoni griff an diesem Tag nicht nur die öffentliche Kritik an seiner Arbeit auf, sondern auch das Verhalten einzelner Spieler. Mario Basler und Mehmet Scholl hatten sich über Nicht-Berücksichtigungen und den als zu defensiv empfundenen Stil beklagt; Thomas Strunz stand wegen seiner Verletzungsprobleme im Mittelpunkt der Diskussion. Aus dieser Gemengelage entstand eine Rede, die weniger Pressegespräch als Selbstverteidigung, Mannschaftsansprache und Autoritätsbeweis in einem war. Der Trainer forderte Disziplin, Respekt und Einsatz. Seine emotional vorgetragenen Sätze wurden später vielfach zitiert und parodiert. Besonders der Ausruf „Was erlauben Strunz?“ und das abschließende „Ich habe fertig“ gingen in die deutsche Fußballgeschichte ein.
Die Wirkung der Pressekonferenz lag nicht zuletzt darin, dass Trapattoni sichtbar unter Druck stand und dennoch versuchte, seine Autorität gegenüber Mannschaft und Öffentlichkeit zu behaupten. In jener Zeit galt der FC Bayern wegen interner Spannungen und zahlreicher Schlagzeilen als „FC Hollywood“. Spieler äußerten Kritik öffentlich, Medienberichte über Konflikte gehörten zum Alltag. Trapattonis Auftritt war daher auch ein Versuch, Ordnung in eine unruhige Mannschaft zu bringen.
Wer Giovanni Trapattoni jedoch nur mit dieser legendären Pressekonferenz verbindet, übersieht eine außergewöhnliche Trainerkarriere. Der 1939 in Cusano Milanino bei Mailand geborene Italiener war zunächst selbst ein erfolgreicher Fußballspieler. Als defensiver Mittelfeldspieler des AC Mailand gewann er in den 1960er Jahren zwei italienische Meisterschaften sowie zweimal den Europapokal der Landesmeister. Insgesamt absolvierte er mehr als 350 Pflichtspiele für den Traditionsklub.
Seine größte Bedeutung erreichte Trapattoni allerdings als Trainer. Vor allem bei Juventus Turin prägte er eine der erfolgreichsten Phasen der Vereinsgeschichte. Mit Juventus gewann er mehrere italienische Meisterschaften und nahezu alle wichtigen europäischen Vereinswettbewerbe, darunter den Europapokal der Landesmeister, den UEFA-Cup, den Europapokal der Pokalsieger, den europäischen Supercup und den Weltpokal. Später trainierte er unter anderem Inter Mailand, die italienische Nationalmannschaft, Benfica Lissabon, den VfB Stuttgart, Red Bull Salzburg und die Nationalmannschaft der Republik Irland.
Beim FC Bayern München arbeitete Trapattoni in zwei Amtszeiten. Seine erste Phase dauerte von 1994 bis 1995. Nach einem Jahr kehrte er nach Italien zurück, bevor er 1996 erneut nach München kam. In seiner zweiten Bayern-Zeit gelang ihm einer seiner größten Erfolge im deutschen Fußball. In der Saison 1996/97 führte er den Verein zur deutschen Meisterschaft. Ein Jahr später gewann Bayern unter seiner Leitung auch den Ligapokal. Obwohl die Mannschaft in der Bundesliga-Saison 1997/98 hinter dem sensationellen Aufsteiger Kaiserslautern nur Zweiter wurde, verabschiedete sich Trapattoni mit einem weiteren Titel: Im Mai 1998 gewann Bayern den DFB-Pokal gegen den MSV Duisburg.
Trapattonis Zeit in München war geprägt von sportlichen Erfolgen, aber auch von Konflikten und starken Persönlichkeiten im Kader. Gerade diese Mischung aus Erfolgsdruck, medialer Aufmerksamkeit und internen Spannungen machte den Verein damals zu einem der meistdiskutierten Klubs Europas. Die Pressekonferenz vom 10. März 1998 wurde deshalb zu einem Symbol dieser Ära.
Heute gilt der Auftritt längst als Kultmoment der Bundesliga. Hinter den berühmten Zitaten steht jedoch mehr als nur ein kurioser Medienauftritt. Er erinnert an einen Trainer, der zu den erfolgreichsten Europas zählt und der auch beim FC Bayern München bleibende sportliche Spuren hinterlassen hat.
Bild: Shutterstock | ShutterstockBildquellen auf dieser Seite:
- Giovanni Trapattoni shutterstock_2078002579 crop: Shutterstock | Shutterstock