Am 11. März 1751 erschien in London eine regelmäßige journalistische Rubrik, die als erste moderne Zeitungskolumne gilt. Verfasst wurde sie von dem englischen Schriftsteller und Naturforscher John Hill, der unter dem Pseudonym The Inspector im London Advertiser und in der Literary Gazette veröffentlichte. Mit dieser Reihe begann eine Form des Journalismus, die bis heute einen festen Platz in Zeitungen und Magazinen einnimmt. Anders als klassische Nachrichtenberichte lebt die Kolumne von der persönlichen Stimme des Autors, von Beobachtungen aus dem Alltag, von Kommentaren zum Zeitgeschehen und von pointierten Einschätzungen.
Der Begriff Kolumne hat seinen Ursprung im Druckwesen. Das englische Wort column bezeichnet ursprünglich eine Spalte im Zeitungs- oder Buchsatz. In dieser Spalte erschien ein regelmäßig wiederkehrender Text, häufig an derselben Stelle der Zeitung. Daraus entwickelte sich die journalistische Bedeutung des Begriffs. Eine Kolumne ist heute ein Text, der in regelmäßigen Abständen von einem bestimmten Autor veröffentlicht wird und meist eine persönliche Perspektive auf gesellschaftliche, kulturelle oder politische Themen bietet.
Schon vor dem 18. Jahrhundert gab es Vorläufer dieser Form. In englischen Zeitschriften des späten 17. Jahrhunderts erschienen bereits Rubriken, in denen Leser Fragen stellen konnten und Redakteure darauf antworteten. Auch satirische oder moralische Essays in frühen Periodika erfüllten eine ähnliche Funktion, da sie regelmäßig veröffentlicht wurden und eine erkennbare Autorenstimme besaßen. Dennoch fehlte diesen frühen Textformen oft die feste Struktur und Wiedererkennbarkeit, die später typisch für die Kolumne wurde.
Mit John Hill erhielt diese Form erstmals eine klare Gestalt. Seine Beiträge behandelten unterschiedlichste Themen des städtischen Lebens in London. Er kommentierte gesellschaftliche Gewohnheiten, kritisierte Missstände und schilderte Beobachtungen aus dem Alltag der Metropole. Die Texte waren nicht nur informativ, sondern auch unterhaltsam und pointiert. Genau diese Mischung aus persönlicher Haltung, Beobachtung und Stil prägt das Genre bis heute.
Im 19. Jahrhundert verbreitete sich die Kolumne rasch in Zeitungen in Europa und Nordamerika. Mit der zunehmenden Verbreitung von Tageszeitungen entstand ein wachsender Bedarf nach regelmäßigen Meinungsbeiträgen, die über reine Nachrichten hinausgingen. Kolumnisten entwickelten sich zu bekannten Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Ihre Texte wurden wegen ihres Stils, ihres Humors oder ihrer kritischen Schärfe gelesen. Manche Autoren erreichten ein großes Publikum und prägten über Jahre hinweg den Ton einer Zeitung.
Im 20. Jahrhundert wurde die Kolumne endgültig zu einer festen Institution des Journalismus. In vielen Zeitungen erhielten bekannte Schriftsteller, politische Kommentatoren oder Humoristen eigene Spalten. Besonders in den Vereinigten Staaten entstanden Kolumnen, die von Millionen Menschen gelesen wurden. Einige Autoren wurden zu regelrechten Medienfiguren, deren Einschätzungen das öffentliche Gespräch beeinflussten. Auch im deutschsprachigen Raum entwickelte sich die Kolumne zu einem wichtigen Format, etwa in Feuilletons, politischen Kommentaren oder humoristischen Glossen.
Heute findet man Kolumnen nicht nur in gedruckten Zeitungen, sondern auch auf Nachrichtenportalen, in Online Magazinen und auf Blogs. Das Grundprinzip hat sich jedoch kaum verändert. Eine Kolumne lebt von der unverwechselbaren Stimme ihres Autors und von der regelmäßigen Wiederkehr an einem festen Platz im Medium. Sie verbindet Information mit persönlicher Haltung und erlaubt eine subjektivere Perspektive als klassische Nachrichtenberichte.
