Der Brezelsonntag (Pretzel Sunday / Bretzelsonndeg) ist ein Brauch, der am vierten Sonntag der Fastenzeit stattfindet. Dieser Sonntag trägt im Kirchenjahr den Namen Laetare und markiert ungefähr die Mitte der Fastenzeit vor Ostern. Schon im Mittelalter galt dieser Tag als etwas freudigerer Moment innerhalb der sonst eher strengen Fastenzeit.
Die Brezel spielte dabei eine besondere Rolle. Sie galt als typisches Fastengebäck, da sie aus einfachen Zutaten wie Mehl, Wasser, Hefe und Salz hergestellt werden konnte. Ihre Form wird häufig als Darstellung verschränkter Arme beim Gebet gedeutet. Deshalb wurde sie in vielen Klöstern gebacken und verbreitete sich im Laufe der Zeit in verschiedenen Regionen Europas.
In Luxemburg entwickelte sich daraus der Bretzelsonndeg. An diesem Tag schenken Männer traditionell einer Frau eine große süße Brezel, oft mit Zuckerguss oder Mandeln verziert. Die Brezel gilt als Zeichen von Zuneigung oder Brautwerbung. In Schaltjahren kehrt sich der Brauch um und Frauen schenken Männern eine Brezel. Häufig revanchiert sich der Beschenkte später zu Ostern mit einem Osterei oder einer kleinen Aufmerksamkeit.
Eine verwandte Tradition gibt es in den Vereinigten Staaten, besonders in Pennsylvania. Dort sprechen Gemeinden mit deutschstämmigen Wurzeln vom Pretzel Sunday. Dieser Brauch geht auf Einwanderer aus dem deutschsprachigen Raum zurück. In vielen Kirchen erhalten Kinder an diesem Tag große weiche Brezeln nach dem Gottesdienst, um an die religiöse Bedeutung der Brezel als Fastengebäck zu erinnern.
Der Brezelsonntag zeigt, wie sich eine mittelalterliche Tradition in verschiedenen Ländern unterschiedlich entwickeln konnte. In Luxemburg wurde daraus ein gesellschaftlicher Brauch rund um Beziehungen und Geschenke. In Pennsylvania blieb vor allem der religiöse Hintergrund erhalten. Beide Formen haben jedoch denselben Ursprung in der europäischen Fastentradition.
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