Der Weltweite Tag der Renaturierung, international World Rewilding Day, wird jedes Jahr am 20. März begangen. Ins Leben gerufen wurde der Tag 2021 von der Global Rewilding Alliance, einem internationalen Netzwerk von Organisationen, das Renaturierung in Wissenschaft, Praxis und Politik sichtbarer machen will. Das Datum ist bewusst gewählt: Es fällt auf die Tagundnachtgleiche im März und steht damit symbolisch für Erneuerung, Gleichgewicht und einen neuen Anfang in der Natur.
Der Tag der Renaturierung entstand vor dem Hintergrund einer weltweiten ökologischen Krise. Hinter ihm steht die Überzeugung, dass klassischer Naturschutz allein vielerorts nicht mehr ausreicht, wenn Lebensräume bereits stark verändert, entwässert, zerschnitten oder verarmt sind. Renaturierung meint in diesem Zusammenhang nicht bloß das Pflanzen einzelner Bäume, sondern die Wiederherstellung natürlicher Prozesse: Flüsse dürfen wieder mäandrieren, Moore werden vernässt, große Pflanzenfresser oder andere Schlüsselarten kehren zurück, und Landschaften sollen wieder mehr Eigendynamik entwickeln. Die Global Rewilding Alliance beschreibt dies als großflächige Wiederherstellung von Ökosystemen, damit Natur sich selbst regulieren und jene Leistungen erbringen kann, von denen auch der Mensch abhängt.
Die Gründe für den Tag der Renaturierung sind daher sowohl ökologisch als auch gesellschaftlich. Gesunde Ökosysteme speichern Wasser, binden Kohlenstoff, puffern Extremwetter ab und bieten Lebensraum für unzählige Arten. Zugleich knüpft der Tag an die UN-Dekade zur Wiederherstellung von Ökosystemen an, die von 2021 bis 2030 läuft und weltweit dazu aufruft, zerstörte oder geschädigte Naturräume wiederherzustellen. Der Aktionstag soll Aufmerksamkeit schaffen, praktische Projekte vernetzen und den Gedanken stärken, dass Naturerholung kein Randthema für Schutzgebiete ist, sondern eine grundlegende Zukunftsfrage für Landwirtschaft, Wasserversorgung, Artenvielfalt und menschliche Lebensqualität.
Befürworter sehen im Tag der Renaturierung deshalb auch ein Gegenbild zur weit verbreiteten Vorstellung, Natur könne nur durch ständiges menschliches Eingreifen erhalten werden. Rewilding-Initiativen verweisen auf Rückkehrgeschichten von Arten, auf wiedervernässte Feuchtgebiete, auf die Entfernung von Barrieren in Flüssen oder auf großräumige Verbundsysteme für Wildtiere. Der Tag soll solche Beispiele bündeln und zeigen, dass Wiederherstellung nicht nur Verluste verwaltet, sondern neue ökologische Dynamik schaffen kann. Genau deshalb wird World Rewilding Day inzwischen von Initiativen auf sechs Kontinenten aufgegriffen und als internationaler Mobilisierungstag genutzt.
Allerdings ist Renaturierung keineswegs unumstritten, und gerade das gehört zu einer ehrlichen Betrachtung dieses Tages. Kritiker weisen darauf hin, dass Projekte zur Renaturierung Konflikte mit bestehenden Nutzungen auslösen können, etwa mit Landwirtschaft, Weidewirtschaft, Jagd, Siedlungsentwicklung oder touristischen Interessen. In wissenschaftlichen Arbeiten wird zudem darauf verwiesen, dass die Rückkehr großer Tiere oder die Aufgabe intensiver Nutzung zu neuen Mensch-Wildtier-Konflikten führen kann. Andere warnen davor, gewachsene Kulturlandschaften und regionale Traditionen zu gering zu schätzen, wenn das Ideal einer „wilderen“ Natur über lokale Lebensrealitäten gestellt wird. Auch die Frage, wer über Flächen verfügt und wer von Renaturierung profitiert oder mögliche Lasten trägt, gehört zu den wiederkehrenden Einwänden.
Gerade diese Kritik zeigt jedoch, dass der Tag der Renaturierung mehr ist als ein symbolischer Umwelttermin. Er berührt Grundfragen darüber, wie Landschaft künftig genutzt werden soll, wie viel Raum natürliche Prozesse erhalten und wie Naturschutz mit den Interessen der Menschen vor Ort verbunden werden kann. Der Sinn dieses Tages liegt deshalb nicht nur im Feiern erfolgreicher Projekte, sondern auch darin, eine oft zugespitzte Debatte sachlich zu führen: zwischen Schutz und Nutzung, zwischen Eingriff und Loslassen, zwischen ökologischer Notwendigkeit und sozialer Akzeptanz. Als internationaler Aktionstag macht der Tag der Renaturierung genau diese Auseinandersetzung sichtbar und erinnert daran, dass Renaturierung für viele Organisationen inzwischen als ein ernsthafter Baustein globaler Naturerholung gilt.
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