Rauch, Dampf und der Klang schwer arbeitender Maschinen; am 27. März feiert die Brockenbahn Geburtstag. Sie ist eine der berühmtesten Schmalspurbahnen Europas und ein lebendiges Denkmal deutscher Technik- und Verkehrsgeschichte. Seit ihrer Eröffnung im Jahr 1899 hat sie bewegte Zeiten erlebt; vom Kaiserreich über die DDR bis ins heutige Deutschland.
Die Brockenbahn ist Teil des Schmalspurnetzes der Harzer Schmalspurbahnen (HSB) und führt von Drei Annen Hohne hinauf auf den 1.141 Meter hohen Brocken, den höchsten Berg Norddeutschlands. Die Strecke ist 19 Kilometer lang und überwindet dabei rund 580 Höhenmeter; ein echtes Meisterwerk für eine dampfbetriebene Schmalspurbahn mit einer Spurweite von nur 1.000 Millimetern.
Am 27. März 1899 wurde der erste Abschnitt der Strecke eröffnet. Die vollständige Inbetriebnahme bis zum Gipfel erfolgte am 4. Oktober desselben Jahres. Die Bahn war von Anfang an nicht nur für den Gütertransport gedacht, sondern auch als touristische Attraktion konzipiert; eine Seltenheit für die damalige Zeit.
Während des Zweiten Weltkriegs blieb die Brockenbahn zunächst in Betrieb, wurde aber durch Luftangriffe beschädigt. In der DDR-Zeit wurde der Brocken als militärisches Sperrgebiet abgeschottet, die Bahn fuhr nur noch bis Schierke. Erst mit der deutschen Wiedervereinigung konnte die Strecke 1991 wieder bis zum Gipfel eröffnet werden.
Ein besonderer Moment war der 15. September 1991: Nach 32 Jahren fuhr erstmals wieder ein regulärer Zug auf den Brocken; ein symbolträchtiger Schritt zurück zur Freiheit und Offenheit.
Trotz ihrer Beliebtheit steht die Brockenbahn immer wieder vor finanziellen Schwierigkeiten. Der aufwendige Dampfbetrieb, steigende Energiekosten, Personalmangel und witterungsbedingte Ausfälle stellen eine große Belastung für die Harzer Schmalspurbahnen dar. In den vergangenen Jahren wurde deshalb intensiv über neue Finanzierungsmodelle diskutiert. Unterstützungsleistungen der öffentlichen Hand, insbesondere durch das Land Sachsen-Anhalt, sowie eine moderate Erhöhung der Ticketpreise sollen langfristig für Stabilität sorgen. Zudem wurde in die Modernisierung der Infrastruktur investiert, ohne den historischen Charakter zu verändern. Auch Spendenaktionen und Fördervereine tragen ihren Teil zum Erhalt der Bahn bei, und das mit Erfolg: Der tägliche Dampfbetrieb konnte trotz aller Widrigkeiten fortgeführt werden.
Bis heute verkehren auf der Brockenbahn fast ausschließlich Dampflokomotiven; und das täglich im Regelbetrieb. Damit gehört sie zu den letzten Strecken Europas mit echtem Dampfbetrieb im Alltagsverkehr. Die Brockenfahrt dauert rund 50 Minuten, mit einer Höchstgeschwindigkeit von 40 km/h; gemächlicher, aber dafür umso eindrucksvoller.
Zum Einsatz kommen vor allem Loks der Baureihe 99.23–24, gebaut in den 1950er-Jahren. Diese „Brockenloks“ wiegen über 60 Tonnen und schaffen selbst bei Eis und Schnee den steilen Anstieg auf den Berg.
Über eine Million Fahrgäste pro Jahr zählt das Streckennetz der Harzer Schmalspurbahnen; viele von ihnen kommen wegen der Brockenbahn. Besonders im Winter, wenn der Brocken unter einer Schneedecke liegt, ist die Fahrt ein Erlebnis wie aus einer anderen Zeit. Eisenbahnfans reisen aus der ganzen Welt an, um Dampf, Schnee und Schienenromantik zu erleben.
Die Brockenbahn ist weit mehr als ein nostalgisches Fortbewegungsmittel; sie ist ein fahrendes Stück Geschichte. Auch nach mehr als 125 Jahren zieht sie Jung und Alt in ihren Bann. Und wer heute in Wernigerode einsteigt, spürt beim Rattern der Räder: Hier fährt kein Museum, sondern ein lebendiger Teil deutscher Kultur.
Bild: Werner Niedermeier | Werner NiedermeierBildquellen auf dieser Seite:
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