Am 28. März 1924 wurde in Frankreich ein Unternehmen gegründet, das heute zu den größten Energieproduzenten der Welt zählt: TotalEnergies. Seine Geschichte beginnt unter einem anderen Namen und ist eng mit den politischen und wirtschaftlichen Umbrüchen des 20. und 21. Jahrhunderts verknüpft.
Die Ursprünge reichen in die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg zurück. Frankreich verfügte kaum über eigene Erdölvorkommen und war vollständig von ausländischen Konzernen abhängig. Vor diesem Hintergrund entstand die Compagnie Française des Pétroles als strategisches Projekt zur Sicherung der nationalen Energieversorgung. Initiator war die französische Regierung unter Präsident Raymond Poincaré; gegründet wurde das Unternehmen von Ernest Mercier mit Unterstützung zahlreicher Banken und Industriepartner. Ziel war es, Frankreich unabhängig von anglo-amerikanischen Ölkonzernen zu machen und eigene Förderrechte sowie internationale Handelsstrukturen aufzubauen.
In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich das Unternehmen rasch zu einem zentralen Akteur der internationalen Ölindustrie. Durch Beteiligungen an Förderprojekten im Nahen Osten sowie durch den Ausbau eigener Raffinerien und Vertriebsnetze entstand ein integrierter Konzern, der Förderung, Verarbeitung und Vermarktung miteinander verband. Bereits in den 1920er- und 1930er-Jahren profitierte die Gesellschaft von internationalen Abkommen, die Frankreich Anteile an wichtigen Ölfeldern sicherten.
Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte sich das Wachstum fort. Die Expansion in neue Märkte und der Ausbau der industriellen Infrastruktur stärkten die Position des Unternehmens als bedeutender europäischer Energiekonzern. In den 1950er- und 1960er-Jahren entstand die Marke „Total“, die zunächst im Vertrieb verwendet wurde und später zum zentralen Unternehmensnamen wurde.
Die entscheidende Phase der Internationalisierung begann in den 1980er- und 1990er-Jahren. Durch eine Reihe großer Fusionen wandelte sich das Unternehmen zu einem globalen Energieriesen. 1999 fusionierte Total mit dem belgischen Konzern Petrofina, kurz darauf folgte die Übernahme des französischen Wettbewerbers Elf Aquitaine. Aus diesen Zusammenschlüssen ging zunächst TotalFinaElf hervor, ehe der Konzern 2003 wieder den Namen Total annahm. Diese Schritte machten das Unternehmen zu einem der größten Öl- und Gasproduzenten weltweit.
Im 21. Jahrhundert begann ein weiterer grundlegender Wandel. Neben dem klassischen Geschäft mit Erdöl und Erdgas investierte der Konzern verstärkt in Flüssiggas, Stromerzeugung sowie erneuerbare Energien. 2021 wurde dieser strategische Kurs auch im Namen sichtbar: Aus Total wurde TotalEnergies. Der neue Name sollte den Anspruch unterstreichen, sich von einem reinen Ölkonzern zu einem breit aufgestellten Energieunternehmen zu entwickeln.
Heute ist TotalEnergies in über 100 Ländern aktiv und beschäftigt mehr als 100.000 Mitarbeiter. Das Unternehmen zählt zu den sogenannten „Supermajors“ der globalen Energiebranche und deckt ein breites Spektrum ab, von fossilen Energieträgern über Flüssiggas bis hin zu Solar- und Windenergie. Gleichzeitig steht der Konzern immer wieder in der Kritik, insbesondere wegen seiner Rolle im Zusammenhang mit Umweltproblemen und dem fortgesetzten Ausbau fossiler Projekte.
Die Geschichte von TotalEnergies ist damit auch ein Spiegel der globalen Energieentwicklung: vom strategischen Staatsprojekt zur Sicherung von Rohstoffen über den Aufstieg multinationaler Ölkonzerne bis hin zum aktuellen Versuch, sich in einer sich wandelnden Energiewelt neu zu positionieren.
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