Am Anfang stand eine vergleichsweise einfache Idee: Geschäftsprozesse in Unternehmen nicht mehr isoliert, sondern in einem gemeinsamen System zu verwalten und das möglichst in Echtzeit. Was heute selbstverständlich erscheint, war Anfang der 1970er Jahre ein technischer und organisatorischer Umbruch. Die Geschichte des Softwarekonzerns SAP beginnt genau hier.
Die Gründung erfolgte am 1. April 1972 in Weinheim bei Heidelberg. Fünf ehemalige Mitarbeiter von IBM, darunter Dietmar Hopp, Hasso Plattner und Klaus Tschira, gründeten die „Systemanalyse Programmentwicklung GbR“, aus der später der Name SAP hervorging. Das Kürzel steht für „Systeme, Anwendungen und Produkte in der Datenverarbeitung“.
Ihr Ansatz unterschied sich deutlich von den damaligen Standards. Während viele Unternehmen noch mit Lochkarten arbeiteten, setzten die Gründer auf eine dialogorientierte Datenverarbeitung über Bildschirm und Tastatur. Damit entstand eine der ersten Anwendungen, die Geschäftsprozesse in Echtzeit abbilden konnten. Die erste Softwaregeneration, bekannt als SAP R/1, wurde Anfang der 1970er Jahre entwickelt und zunächst bei einem Industriekunden eingesetzt.
Bereits wenige Jahre später begann der Aufstieg. 1976 wurde die SAP GmbH gegründet, der Sitz nach Walldorf verlegt und die Struktur professionalisiert. Mit steigender Kundenzahl und wachsender Nachfrage entwickelte sich das Unternehmen rasch weiter. Die Software wurde erweitert, international ausgerichtet und an unterschiedliche Branchen angepasst.
In den 1980er Jahren setzte SAP mit dem System R/2 neue Maßstäbe für Großrechnerlösungen. In den 1990er Jahren folgte mit SAP R/3 der entscheidende Durchbruch. Dieses System basierte auf einer Client Server Architektur und machte SAP weltweit zum führenden Anbieter von Unternehmenssoftware. Immer mehr Firmen nutzten die Programme, um ihre Prozesse von der Buchhaltung über die Produktion bis zur Personalverwaltung in einem einheitlichen System zu steuern.
Mit der Jahrtausendwende begann eine Phase der Erweiterung und Anpassung an neue Technologien. Unter dem Begriff „mySAP“ entwickelte das Unternehmen Lösungen, die verschiedene IT Systeme miteinander verbinden konnten. Trotz der Krise der New Economy blieb SAP auf Wachstumskurs und baute seine internationale Präsenz weiter aus.
Im 21. Jahrhundert verlagerte sich der Fokus zunehmend auf internetbasierte Anwendungen, Cloud Technologien und datengetriebene Geschäftsmodelle. SAP entwickelte sich vom klassischen Softwareanbieter zu einem Plattformunternehmen, das komplexe digitale Geschäftsprozesse abbildet. Heute gilt SAP als einer der weltweit führenden Anbieter von Unternehmenssoftware und Cloudlösungen.
Aktuell treibt SAP vor allem die Integration von künstlicher Intelligenz und cloudbasierten Diensten voran. Systeme analysieren große Datenmengen in Echtzeit und liefern automatisierte Handlungsempfehlungen für Unternehmen. Mit Plattformen und KI gestützten Anwendungen versucht SAP, die nächste Entwicklungsstufe der digitalen Wirtschaft mitzugestalten.
Aus einem kleinen Team von fünf Ingenieuren ist in gut fünf Jahrzehnten ein globaler Technologiekonzern mit über 100.000 Mitarbeitern geworden. Der ursprüngliche Gedanke, Geschäftsprozesse in einem integrierten System abzubilden, hat sich dabei nicht verändert. Er wurde lediglich auf eine neue, globale Dimension übertragen.
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