Als Friedrich Engelhorn am 6. April 1865 in Mannheim die Badische Anilin und Sodafabrik gründete, war das Unternehmen zunächst auf Farbstoffe und die dafür nötigen anorganischen Chemikalien ausgerichtet. Weil sich auf der badischen Rheinseite kein geeignetes Gelände erwerben ließ, entstanden die Produktionsanlagen bald gegenüber in Ludwigshafen. Dort nahm die Geschichte des Unternehmens ihren eigentlichen Lauf. Schon in den ersten Jahren setzte BASF auf eine enge Verbindung von Produktion, technischer Entwicklung und wissenschaftlicher Forschung, was für die Chemieindustrie des 19. Jahrhunderts von großer Bedeutung war.
Die frühen Jahrzehnte standen ganz im Zeichen der synthetischen Farbstoffe. BASF gehörte zu den Firmen, die aus den Fortschritten der organischen Chemie ein industrielles Geschäftsmodell formten. Aus dem anfänglichen Schwerpunkt auf Teerfarben entwickelte sich rasch ein breiteres Profil. Das Unternehmen baute eigene Forschungskapazitäten auf, expandierte bereits 1877 mit einer ersten Auslandsproduktion nach Russland und erzielte 1897 mit synthetischem Indigo einen entscheidenden Erfolg. Damit rückte BASF von einem regionalen Produzenten zu einem international beachteten Chemieunternehmen auf.
Im frühen 20. Jahrhundert verlagerte sich der Schwerpunkt zunehmend auf Grundstoffe und Düngemittel. Besonders prägend war die industrielle Umsetzung der Ammoniaksynthese, die 1913 in Oppau zur Produktion führte. Sie gilt als ein Meilenstein der modernen Chemie, weil sie die Herstellung stickstoffhaltiger Dünger in großem Maßstab ermöglichte. Damit war BASF nicht mehr nur ein Hersteller von Farbstoffen, sondern ein Unternehmen, das eng mit Landwirtschaft, Rohstoffversorgung und industrieller Entwicklung verbunden war.
Ein tiefer Einschnitt folgte 1925 mit dem Aufgehen von BASF in der I.G. Farbenindustrie AG. In der Zeit des Nationalsozialismus waren die Werke in Ludwigshafen und Oppau Teil der deutschen Kriegswirtschaft. BASF selbst weist heute offen darauf hin, dass die damaligen Anlagen als Lieferanten für die Rüstungsproduktion dienten, dass Zwangsarbeiter eingesetzt wurden und dass Personal aus Ludwigshafen in die Ausbeutung von KZ Häftlingen in Auschwitz Monowitz verstrickt war. Nach dem Zweiten Weltkrieg stand der Konzern unter alliierter Kontrolle; erst am 30. Januar 1952 wurde die Badische Anilin und Sodafabrik Aktiengesellschaft neu gegründet. Diese historische Belastung gehört bis heute zur Unternehmensgeschichte und wird von BASF inzwischen ausdrücklich aufgearbeitet.
Der Wiederaufbau nach 1945 fiel in eine Phase, in der die westdeutsche Industrie insgesamt stark expandierte. BASF nutzte diese Entwicklung, um sich von den klassischen Farbstoffen weiter zu entfernen und stärker auf Kunststoffe, Vorprodukte, Pflanzenschutz und neue industrielle Anwendungen zu setzen. In den 1950er und 1960er Jahren entstanden Produkte und Geschäftsfelder, die den Konzern dauerhaft breiter aufstellten. Zum 100jährigen Bestehen im Jahr 1965 war BASF bereits auf dem Weg zu einem transnationalen Unternehmen. Mit neuen Produktionsstandorten im Ausland, dem Ausbau des US Geschäfts und dem Einstieg in das Beschichtungsgeschäft wandelte sich der Konzern von einem deutschen Chemieunternehmen zu einem weltweit agierenden Anbieter.
Seit den 1990er Jahren konzentrierte sich BASF immer stärker auf globale Präsenz, Portfoliosteuerung und das sogenannte Verbundprinzip. Dieses Modell verbindet Produktionsanlagen, Energieversorgung und Stoffströme so, dass Zwischenprodukte und Wärme möglichst effizient weitergenutzt werden. Gerade in Ludwigshafen zeigt sich diese Idee in besonderer Größe. BASF bezeichnet den Standort als den größten zusammenhängenden Chemiekomplex der Welt, der sich im Besitz eines einzelnen Unternehmens befindet. Inzwischen arbeitet der Konzern mit mehreren großen Verbundstandorten auf verschiedenen Kontinenten; zuletzt gewann der Ausbau in China stark an Bedeutung. Ende März 2026 weihte BASF seinen neuen großtechnischen Verbundstandort in Zhanjiang offiziell ein.
Heute ist BASF trotz eines schwierigen Marktumfelds weiterhin einer der bedeutendsten Chemiekonzerne der Welt. Nach den Ende Februar 2026 veröffentlichten Zahlen für das Geschäftsjahr 2025 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 59,7 Milliarden Euro und ein EBITDA vor Sondereinflüssen von 6,6 Milliarden Euro. Die Zahl der Beschäftigten lag zum Jahresende 2025 bei 108.251. BASF betrieb 234 Produktionsstandorte in 93 Ländern. Der Konzern ist damit tief in internationale Lieferketten eingebunden und beliefert Kunden in nahezu allen wichtigen Industriebranchen, von der Landwirtschaft über die Automobilindustrie bis zur Bauwirtschaft und Elektronik.
Besonders aufschlussreich sind einige Kennzahlen, die die Größenordnung des Unternehmens verdeutlichen. Europa blieb 2025 mit 38,6 Prozent der wichtigste Absatzmarkt von BASF; Nordamerika kam auf 26,3 Prozent, Asien Pazifik auf 25,3 Prozent. Die Forschungsausgaben lagen bei 2,0 Milliarden Euro, die Personalkosten bei 12,3 Milliarden Euro. Hinzu kommt eine ungewöhnlich breite Eigentümerbasis: BASF zählt nach eigenen Angaben mehr als 900.000 Aktionäre. Für einen deutschen Industriekonzern ist das bemerkenswert, weil ein großer Teil der Anteile von Privatanlegern gehalten wird. Solche Zahlen zeigen, dass BASF nicht nur ein traditionsreiches Unternehmen ist, sondern auch ein Konzern mit erheblichem wirtschaftlichem Gewicht und globaler Reichweite.
Die Geschichte von BASF ist damit eine Geschichte deutscher Industrialisierung in konzentrierter Form. Sie beginnt mit Farben aus dem Zeitalter der Chemiepioniere, führt über Düngemittel, Kunststoffe und globale Expansion, trägt aber auch die Last der Verstrickung in Krieg und Zwangsarbeit. Heute steht BASF für die Ambivalenz moderner Industrie: für technologische Innovationskraft, für enorme wirtschaftliche Bedeutung, aber auch für die Frage, wie ein Konzern mit seiner historischen Verantwortung und mit den Herausforderungen von Energie, Umwelt und weltweitem Wettbewerb umgeht. Gerade darin liegt die anhaltende Bedeutung dieses Unternehmens, das vor 161 Jahren am Rhein gegründet wurde und noch immer zu den prägenden Namen der deutschen Wirtschaft zählt.
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