Der Tag des Fangens und Freilassens (National Catch and Release Day) fällt jedes Jahr auf den zweiten Samstag im April. Der Aktionstag entstand in den Vereinigten Staaten und richtet sich vor allem an Angler sowie an Organisationen, die sich mit dem Schutz von Gewässern und Fischbeständen befassen.
Im Zentrum steht eine Angelpraxis, bei der gefangene Fische nach dem Fang wieder freigelassen werden. Dieses Vorgehen hat sich vor allem im Bereich des Sportangelns etabliert. Der Reiz liegt weniger im Ertrag als in der Erfahrung selbst, im Aufenthalt in der Natur und im Umgang mit dem Tier. Das Zurücksetzen soll dazu beitragen, Bestände zu erhalten und Gewässer langfristig nutzbar zu halten.
Angestoßen wurde der Tag von der Organisation KeepAmericaFishing, die sich für die Interessen von Anglern einsetzt und gleichzeitig für einen verantwortungsvollen Umgang mit natürlichen Ressourcen wirbt. Dabei geht es nicht nur um ökologische Fragen, sondern auch um wirtschaftliche Aspekte. Angeln ist in den USA ein bedeutender Freizeitbereich, der Einnahmen im Tourismus und im Handel generiert. Ein stabiler Fischbestand gilt daher als Grundlage für beides.
Die Praxis des Zurücksetzens wird allerdings unterschiedlich bewertet. Befürworter sehen darin eine Möglichkeit, Natur und Nutzung miteinander zu verbinden. Kritiker verweisen auf die Belastung für die Tiere. Der Fangvorgang selbst verursacht Stress und kann Verletzungen nach sich ziehen. Ob ein Fisch überlebt, hängt stark von den Umständen ab. Wassertemperatur, Fangtechnik und die Dauer außerhalb des Wassers spielen eine entscheidende Rolle. In vielen Regionen wird deshalb großer Wert auf Schulung gelegt, um die Eingriffe so schonend wie möglich zu gestalten.
Ein Vergleich mit Deutschland zeigt deutliche Unterschiede im rechtlichen und ethischen Umgang. Nach dem Tierschutzgesetz ist das Angeln grundsätzlich an einen vernünftigen Grund gebunden, in der Regel an die Verwertung des Fangs. Das gezielte Fangen mit anschließendem Freilassen ohne Nutzung gilt als problematisch. Daraus ergibt sich ein Spannungsfeld zwischen verschiedenen Vorstellungen von Naturnutzung, das sich auch in der Bewertung dieses Aktionstags widerspiegelt.
Der Tag des Fangens und Freilassens steht damit weniger für ein einheitliches Konzept als für eine Debatte. Er macht sichtbar, wie unterschiedlich der Umgang mit Tieren und Natur in verschiedenen Ländern ausgelegt wird und wie stark sich Freizeitverhalten im Laufe der Zeit verändern kann.
