Der Tag der Ex-Ehepartner (Ex-Spouse Day) fällt jedes Jahr auf den 14. April. Er stammt aus den USA und gehört zu jener Gruppe informeller Aktionstage, die weniger durch staatliche Anerkennung als durch Kalenderportale, Medienaufgriffe und wiederkehrende Erwähnungen im öffentlichen Leben präsent bleiben. Beschrieben wird der Tag dort meist nicht als Anlass für Sentimentalität, sondern als Aufforderung, nach einer gescheiterten Ehe Bitterkeit abzubauen und mit mehr innerer Distanz auf die Vergangenheit zu blicken.
Als Initiator wird in mehreren amerikanischen Darstellungen der Geistliche Ronald Coleman aus Kansas City genannt. Nach dieser Überlieferung rief er den Tag 1987 ins Leben, um Verbitterung nach Scheidungen zu mindern und einen versöhnlicheren Umgang mit früheren Ehepartnern zu fördern. Zum frühen Auftreten des Aktionstags gehört demnach auch ein eher launiger Slogan auf Ansteckern. Diese Gründungsgeschichte wird von mehreren einschlägigen Kalendereinträgen übereinstimmend erzählt. Sie ist damit gut belegt als Teil der Feiertagsüberlieferung, auch wenn der Tag nicht zu den staatlich proklamierten Feiertagen der USA gehört.
Gerade diese Mischung aus Ironie und Ernst macht den Tag der Ex-Ehepartner bemerkenswert. Auf den ersten Blick wirkt ein Gedenktag für frühere Ehepartner wie eine kuriose Idee aus der amerikanischen Feiertagskultur. Dahinter steht jedoch ein nüchterner Gedanke. Trennungen enden oft nicht nur mit juristischen Folgen, sondern auch mit lang anhaltenden emotionalen Spannungen. Das gilt umso mehr, wenn gemeinsame Kinder, finanzielle Verpflichtungen oder langjährige soziale Bindungen im Spiel sind. Der Aktionstag will deshalb nicht das Scheitern einer Ehe feiern, sondern an die Möglichkeit erinnern, nach dem Ende einer Beziehung einen sachlicheren und friedlicheren Umgang zu finden.
Dass ein solcher Tag Resonanz findet, erklärt sich auch aus der gesellschaftlichen Realität. In Deutschland wurden nach Angaben des Statistischen Bundesamts im Jahr 2024 rund 129.300 Ehen geschieden. Zugleich weist die Behörde darauf hin, dass die oft wiederholte Behauptung, jede zweite Ehe werde geschieden, ein Mythos ist. Für 2024 lag die zusammengefasste Scheidungsziffer bei 280 Scheidungen je 1.000 Ehen. In den USA meldete die Gesundheitsbehörde für 2023 insgesamt 672.502 Scheidungen in 45 Bundesstaaten und Washington, D.C., was einer Scheidungsrate von 2,4 je 1.000 Einwohnern in diesen meldenden Gebieten entspricht. Der Ex-Spouse Day trifft also auf eine gesellschaftliche Erfahrung, die viele Menschen betrifft, auch wenn sie sehr unterschiedlich damit umgehen.
Ob man einen solchen Tag sinnvoll findet, ist eine andere Frage. Für manche ist er bloß eine skurrile Randnotiz im Kalender, für andere ein brauchbarer Anlass, die eigene Geschichte neu einzuordnen. Gerade darin liegt seine eigentliche Aussage. Nicht jede Trennung endet mit Versöhnung, und nicht jeder Kontakt zum früheren Ehepartner ist überhaupt wünschenswert. Aber der Gedanke, dass ein abgeschlossenes Kapitel nicht lebenslang von Groll bestimmt sein muss, gibt dem Tag der Ex-Ehepartner einen ernsteren Kern, als sein Titel zunächst vermuten lässt.
