Am 5. Mai 1842, kurz nach Mitternacht, begann in Hamburg eine Katastrophe, die die Stadt für immer verändern sollte. Im Haus Deichstraße 44 am Nikolaifleet, beim Zigarrenmacher Eduard Cohen, brach Feuer aus. Ob es tatsächlich gelegt wurde, wie später immer wieder behauptet wurde, ließ sich nie zweifelsfrei klären. Sicher ist nur, dass Rauch und Flammen rasch bemerkt wurden, die damaligen Löschkräfte aber schon nach kurzer Zeit kaum noch eine Chance hatten. Die Häuser standen eng, viele waren aus Holz oder Fachwerk gebaut, in den Speichern lagerten brennbare Waren, und eine trockene Witterung mit Wind trieb das Feuer durch die Altstadt.
Zunächst brannte das Nikolaiviertel. Dann fraßen sich die Flammen weiter durch Hamburg. Der Brand fiel auf Himmelfahrt, viele Menschen waren in der Stadt unterwegs, während andere in Panik versuchten, Hausrat, Waren und Dokumente zu retten. Die Feuerwehr war zwar organisiert, aber technisch begrenzt. Wasser musste aus Fleeten und der Elbe herangeführt werden, Spritzen und Schläuche reichten für die Höhe und Dichte der Gebäude oft nicht aus. Hinzu kam, dass der Senat anfangs zögerte, Häuser sprengen zu lassen, um Feuerschneisen zu schaffen. Man fürchtete Entschädigungsforderungen der Eigentümer. Dadurch ging kostbare Zeit verloren.
Bis zum 8. Mai wütete der Große Brand. Er zerstörte etwa ein Drittel der Altstadt, darunter rund 4.200 Gebäude. Etwa 20.000 Menschen wurden obdachlos, 51 kamen ums Leben. Auch zentrale Bauwerke gingen verloren: die Hauptkirchen St. Nikolai und St. Petri, das alte Rathaus, die Bank und Teile des Stadtarchivs. Die Börse blieb erhalten und wurde später zu einem Symbol dafür, dass Hamburg trotz der Katastrophe handlungsfähig blieb.
Die Folgen reichten weit über den unmittelbaren Wiederaufbau hinaus. Hamburg nutzte die Zerstörung, um die Stadt moderner anzulegen. Straßen wurden verbreitert, Wasserleitungen und Kanalisation verbessert, neue Plätze geschaffen. Der englische Ingenieur William Lindley spielte dabei eine wichtige Rolle. Auch das Gebiet um die Kleine Alster wurde neu geordnet; der spätere Rathausmarkt wurde vorbereitet. Aus der mittelalterlich engen Stadt entstand Schritt für Schritt ein moderneres Hamburg.
Bis heute erinnert die Deichstraße an den Ausgangspunkt des Brandes. Der Große Brand von 1842 gilt nicht nur als eine der schwersten Katastrophen der Hamburger Geschichte, sondern auch als Einschnitt, aus dem ein neues Stadtbild hervorging. Er zeigte, wie verwundbar die alte Handelsstadt war; und er zwang Hamburg, Brandschutz, Stadtplanung und Infrastruktur grundlegend neu zu denken.
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