Der Tag des Tampons (National Tampon Day) fällt auf den 12. Mai und gehört zu den jüngeren amerikanischen Aktionstagen und stammt aus dem Umfeld der Aufklärung über Menstruationsprodukte, Menstruationsgesundheit und den gesellschaftlichen Umgang mit der Periode. Als Gründer wird meist das Unternehmen TOP, The Organic Project, genannt, das den Tag im Jahr 2020 ins Leben gerufen haben soll. Damit ist der Tag auch Teil einer neueren Entwicklung, in der Menstruation nicht mehr nur als privates Thema behandelt wird, sondern stärker mit Fragen von Gesundheit, Zugang, Kosten und sozialer Teilhabe verbunden ist.
Der Tampon selbst ist ein vergleichsweise modernes Alltagsprodukt, auch wenn Vorformen absorbierender Materialien seit langer Zeit bekannt sind. In seiner heutigen Form wurde er vor allem im 20. Jahrhundert verbreitet. Er bot vielen Frauen eine größere Bewegungsfreiheit als Binden, war aber zugleich immer von Unsicherheit, Scham und medizinischen Debatten begleitet. Gerade weil Tampons direkt im Körper getragen werden, spielen Aufklärung, Hygiene und verständliche Produktinformationen eine wichtige Rolle. Dazu gehören Fragen nach der richtigen Saugstärke, nach der Tragedauer und nach seltenen, aber ernsten Risiken wie dem toxischen Schocksyndrom.
Der Aktionstag richtet den Blick deshalb nicht allein auf ein einzelnes Hygieneprodukt. Er steht stellvertretend für den Umgang mit Menstruation insgesamt. In vielen Familien, Schulen und Arbeitsumgebungen wird über die Periode noch immer nur indirekt gesprochen. Das führt dazu, dass junge Menschen oft schlecht informiert sind oder Menstruationsbeschwerden, Unsicherheiten und Produktfragen zu spät ansprechen. Ein sachlicher Umgang kann helfen, Scham abzubauen und zugleich die gesundheitliche Eigenverantwortung zu stärken.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die sogenannte Periodenarmut. Gemeint ist, dass Menstruationsprodukte für manche Menschen finanziell schwer zugänglich sind. Tampons, Binden oder Menstruationstassen sind keine Luxusartikel, sondern regelmäßig benötigte Hygieneprodukte. Wenn sie zu teuer sind oder an Schulen, öffentlichen Einrichtungen, Notunterkünften und Arbeitsplätzen fehlen, kann das konkrete Folgen haben: Menschen bleiben zu Hause, improvisieren mit ungeeigneten Materialien oder geraten in beschämende Situationen. Der Tag des Tampons verweist damit auch auf eine soziale Frage, die häufig übersehen wird.
In Deutschland wurde die Debatte unter anderem durch die frühere Besteuerung von Periodenprodukten als Waren des täglichen Bedarfs angestoßen. Seit 2020 gilt für Tampons und Binden der ermäßigte Mehrwertsteuersatz. Das war ein symbolisch wichtiger Schritt, weil er deutlich machte, dass Menstruationsprodukte nicht als verzichtbare Komfortartikel betrachtet werden sollten. Gelöst ist das Problem damit allerdings nicht. Der Preis bleibt für viele Menschen relevant, besonders wenn mehrere Personen in einem Haushalt regelmäßig Produkte benötigen.
Der Tag des Tampons überschneidet sich inhaltlich mit dem internationalen Tag der Menstruationshygiene am 28. Mai, ist aber enger auf ein bestimmtes Produkt bezogen. Gerade deshalb eignet er sich, um praktische Fragen anzusprechen: Welche Produkte gibt es? Welche Vor- und Nachteile haben Tampons, Binden, Periodenunterwäsche oder Menstruationstassen? Wie können junge Menschen verlässliche Informationen erhalten? Und wie lässt sich verhindern, dass Menstruation im Alltag weiterhin als peinliches Randthema behandelt wird?
Trotz seines etwas werblich geprägten Ursprungs kann der Tag sinnvoll genutzt werden. Voraussetzung ist, dass er nicht als bloßer Produkttag verstanden wird. Sein eigentlicher Wert liegt darin, ein alltägliches Thema aus der Verlegenheitsecke zu holen. Menstruation betrifft einen großen Teil der Bevölkerung über viele Jahre hinweg. Darüber nüchtern zu sprechen, ist keine Provokation, sondern eine Frage von Gesundheit, Würde und praktischer Vernunft.

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