Am 27. Mai jährt sich der Geburtstag von Vincent Price, einem der markantesten Schauspieler des 20. Jahrhunderts. Geboren 1911 in St. Louis, Missouri, entwickelte sich Price im Laufe seiner langen Karriere zu einer Ikone des klassischen Horrorkinos; mit einer Stimme wie samtumhüllter Stahlklinge, einem distinguierten Auftreten und einer Vorliebe für das Unheimliche, das nie in bloßen Effekt abglitt, sondern stets eine kultivierte Tiefe offenbarte.
Vincent Leonard Price Jr. entstammte einer wohlhabenden Familie. Er studierte Kunstgeschichte in Yale und London, ehe ihn das Theater faszinierte und schließlich auf die Leinwand führte. Seine Filmkarriere begann in den späten 1930er-Jahren mit Rollen in historischen Dramen und Literaturverfilmungen, darunter etwa in „The Private Lives of Elizabeth and Essex“ (1939) und „Laura“ (1944), einem Klassiker des Film Noir.
Seinen legendären Ruf erlangte Vincent Price jedoch erst in den 1950er- und 1960er-Jahren durch seine Hauptrollen in Horrorfilmen, vor allem in den Edgar-Allan-Poe-Adaptionen unter der Regie von Roger Corman. Filme wie House of Usher (1960), The Pit and the Pendulum (1961) und The Masque of the Red Death (1964) verliehen dem Gothic-Horror jener Zeit neue Eleganz. Price verkörperte darin keine tumben Schreckensgestalten, sondern gebrochene, oft gequälte Männer, deren Bosheit aus innerer Leere oder Verletzung geboren war.
Mit seinem theatralischen Tonfall, seiner präzisen Mimik und einem stets kultivierten Auftreten verlieh Price selbst absurdesten Plots Glaubwürdigkeit und ließ das Publikum zwischen Schaudern und Faszination oszillieren.
Obwohl er vor allem durch seine Horrorrollen bekannt wurde, war Price ein vielseitiger Künstler. Er sprach Erzähltexte (unter anderem das berühmte Monologsegment im Song Thriller von Michael Jackson), trat in Theaterstücken auf, schrieb mehrere Kochbücher und war ein leidenschaftlicher Kunstsammler. Seine Liebe zur Malerei brachte ihn sogar dazu, als Kunstexperte für Sears, Roebuck and Company eine eigene Sammlung zu kuratieren, um Kunst auch Menschen außerhalb elitärer Kreise zugänglich zu machen.
In seinen späteren Jahren parodierte er sein eigenes Image mit Humor und Würde, etwa in Tim Burtons Kurzfilm Vincent (1982) oder in seiner Rolle als Erfinder in Edward mit den Scherenhänden (1990), seinem letzten Film.
Vincent Price starb 1993 im Alter von 82 Jahren. Sein Erbe aber lebt fort; in den zahllosen Filmen, die er prägte, in der Art, wie er das Genre mit Intelligenz und Würde bereicherte, und in der Aura kultivierter Finsternis, die bis heute mit seinem Namen verbunden ist.
Sein Geburtstag ist Anlass, sich daran zu erinnern, dass guter Horror nicht nur schreckt, sondern auch nachhallt; wenn er, wie bei Price, mit Tiefe, Stil und einer Prise Ironie dargeboten wird.

Bildquellen auf dieser Seite:
- Mann spielt ein mechanisches selbstspielendes Klavier KI wn: Werner Niedermeier | Werner Niedermeier
- Robert_Koch-Gemeinfrei-crop: Gemeinfrei | Gemeinfrei