Am 27. Mai wird der Tag der psychischen Gesundheit von Friseuren begangen, im englischen Original National Hairstylist Mental Health Awareness Day. Der Aktionstag wurde 2021 von der Terminbuchungsplattform Booksy ins Leben gerufen. Er stammt aus den USA, verweist jedoch auf Belastungen, die auch in anderen Ländern zum Arbeitsalltag im Friseurhandwerk gehören.
Friseure arbeiten in einem Beruf, der zugleich handwerkliches Können, Kreativität, körperliche Ausdauer und ständige persönliche Präsenz verlangt. Viele Stunden im Stehen, eng getaktete Termine, wirtschaftlicher Druck und die Erwartung, freundlich und aufmerksam zu bleiben, können belastend sein. Hinzu kommt eine Seite des Berufs, die von außen leicht unterschätzt wird: Im Friseurstuhl sprechen Kunden oft über Familie, Beruf, Trennungen, Sorgen oder Krankheiten. Der Salon ist für viele ein vertrauter Ort; der Friseur wird dabei nicht selten zum Zuhörer für sehr persönliche Themen.
Booksy veröffentlichte zur Einführung des Aktionstags Ergebnisse einer Befragung unter Friseuren und Barbieren. Demnach gaben 43 Prozent der befragten Fachkräfte an, sich ständig wie ein inoffizieller Therapeut ihrer Kunden zu fühlen. 44 Prozent erklärten, dass es ihnen auch nach Feierabend schwerfalle, gedanklich von der Arbeit Abstand zu gewinnen. Diese Zahlen sind keine umfassende wissenschaftliche Untersuchung des gesamten Berufsstandes, machen aber sichtbar, weshalb psychische Belastungen im Salonalltag ein Thema sein können.
Die Nähe zwischen Friseur und Kunde gehört zugleich zu den besonderen Stärken des Berufs. Ein Haarschnitt ist nicht nur eine Dienstleistung; für viele Menschen bedeutet der Besuch auch Gespräch, Vertrautheit und eine kleine Unterbrechung des Alltags. Gerade deshalb ist es wichtig, die Rolle des Friseurs nicht mit unbegrenzter emotionaler Verfügbarkeit zu verwechseln. Wer zuhört, trägt nicht automatisch Verantwortung für die Probleme anderer.
Der Aktionstag fordert daher keine Distanz zwischen Friseuren und Kunden, sondern mehr Aufmerksamkeit für Grenzen, Pausen und einen offenen Umgang mit Überlastung. Saloninhaber können dazu beitragen, indem sie realistische Terminpläne, verlässliche Erholungszeiten und ein Arbeitsumfeld schaffen, in dem psychische Belastungen angesprochen werden dürfen. Kunden wiederum können anerkennen, dass hinter der vertrauten Person mit Schere und Kamm ein Mensch steht, der nicht nur für das Wohlbefinden anderer zuständig ist.
Der Tag der psychischen Gesundheit von Friseuren erinnert damit an einen oft übersehenen Teil des Handwerks: Gute Arbeit entsteht nicht allein durch Technik und Erfahrung, sondern auch unter Bedingungen, in denen die Menschen, die sie leisten, selbst gesund bleiben können.
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- Mann spielt ein mechanisches selbstspielendes Klavier KI wn: Werner Niedermeier | Werner Niedermeier