Am 31. Mai wird weltweit der Tag der autonomen Fahrzeuge begangen – im englischen Original National Autonomous Vehicle Day. Der Tag würdigt die Fortschritte in der Entwicklung selbstfahrender Fahrzeuge und lenkt die Aufmerksamkeit auf die Chancen und Herausforderungen dieser Technologie.
Ins Leben gerufen wurde der Aktionstag im Jahr 2017 von der US-amerikanischen Plattform Emerging Prairie und dem Technologieexperten Marlo Anderson. Ziel war es, die rasante Entwicklung autonomer Mobilität stärker in das öffentliche Bewusstsein zu rücken.
Die Idee autonomer Fahrzeuge ist jedoch älter: Bereits 1925 steuerte der Ingenieur Francis Houdina ein ferngesteuertes Auto durch New York – ein spektakuläres Ereignis, das die Fantasie vieler Menschen beflügelte.
Die Entwicklung autonomer Fahrzeuge hat in den vergangenen Jahrzehnten enorme Fortschritte gemacht. Bereits 1977 präsentierte ein japanisches Forschungsteam eines der ersten Fahrzeuge, das sich mithilfe von Kameras selbstständig orientieren konnte und nicht mehr auf Schienen angewiesen war. Einen entscheidenden Schub erhielt die Technologie zwischen 2004 und 2007 durch die Wettbewerbe der amerikanischen Forschungsbehörde DARPA. Dabei mussten autonome Fahrzeuge anspruchsvolle Strecken in Wüsten und später auch im normalen Straßenverkehr bewältigen. Viele heutige Entwicklungen gehen direkt auf diese Projekte zurück.
Ein weiterer Meilenstein folgte 2018, als das Unternehmen Waymo in Arizona den ersten kommerziellen Robotaxi-Dienst startete. Seitdem hat sich der Wettbewerb deutlich beschleunigt. Unternehmen wie Tesla, Pony.ai und WeRide testen ihre Systeme inzwischen weltweit. WeRide gehört heute zu den international aktivsten Anbietern und verfügt nach eigenen Angaben über Genehmigungen oder Testlizenzen in mehreren Ländern Europas, Asiens, des Nahen Ostens und Nordamerikas.
Autonome Fahrzeuge werden in fünf Stufen eingeteilt. Bei Stufe 1 unterstützen Assistenzsysteme lediglich den Fahrer, etwa durch Spurhalte- oder Tempomatfunktionen. Stufe 2 kombiniert mehrere Assistenzsysteme. Bei Stufe 3 darf das Fahrzeug unter bestimmten Bedingungen selbst fahren, der Mensch muss jedoch jederzeit eingreifen können. Stufe 4 ermöglicht bereits weitgehend fahrerlosen Betrieb in festgelegten Gebieten oder Situationen. Stufe 5 beschreibt schließlich ein vollständig autonomes Fahrzeug ohne Lenkrad oder Pedale.
Aktuell befinden sich vor allem Systeme der Stufe 2 und 3 im regulären Einsatz. Der deutsche Hersteller Mercedes-Benz bietet seit 2022 mit Drive Pilot ein zugelassenes Stufe-3-System an. In den USA fahren Robotaxis der Stufe 4 bereits in Städten wie Phoenix, San Francisco, Los Angeles und Austin. Allein Waymo hat inzwischen mehr als zehn Millionen Fahrten mit autonomen Fahrzeugen durchgeführt.
Vollständig autonome Fahrzeuge der Stufe 5 existieren dagegen weiterhin nur als Prototypen. Technische Herausforderungen, rechtliche Fragen und Sicherheitsanforderungen bremsen die Einführung. Zwar gehen nach Schätzungen von Verkehrssicherheitsbehörden die meisten Unfälle auf menschliche Fehler zurück, etwa durch Ablenkung, Müdigkeit oder Alkohol. Autonome Systeme könnten solche Risiken deutlich reduzieren. Gleichzeitig zeigen Unfälle während Testphasen, darunter der tödliche Unfall eines Uber-Testfahrzeugs im Jahr 2018, dass die Entwicklung höchster Sicherheitsstandards unverzichtbar bleibt.
Rund um den Tag der autonomen Fahrzeuge finden in vielen Ländern Vorführungen, Testfahrten und Fachveranstaltungen statt. Unternehmen präsentieren neue Robotaxis, autonome Busse oder Lieferfahrzeuge. Wissenschaftler, Entwickler, Politiker und Bürger diskutieren über Chancen und Risiken der Technologie.
Der Aktionstag macht deutlich, wie stark sich Mobilität verändert. Was lange als Science-Fiction galt, ist inzwischen in mehreren Städten Teil des Alltags. Besonders für Senioren, Menschen mit Behinderungen oder Personen ohne Führerschein könnten autonome Fahrzeuge künftig neue Freiheiten schaffen. Gleichzeitig stellen sich Fragen nach Haftung, Datenschutz, Infrastruktur, Cyber-Sicherheit und den Folgen für Berufe im Transportwesen. Die Technik entwickelt sich weiter, doch der Weg zu einer vollständig autonomen Mobilität bleibt eine der größten technologischen Herausforderungen unserer Zeit.
Die Zukunft des Verkehrs ist nicht mehr weit entfernt. Der 31. Mai bietet Gelegenheit, über die Veränderungen zu sprechen – sachlich, neugierig und offen für die Potenziale, die vor uns liegen.
