Am 2. Juni feiert Italien seinen Nationalfeiertag, die Festa della Repubblica (Fest der Republik). Der Tag erinnert an eine der wichtigsten politischen Entscheidungen der italienischen Geschichte: die Abschaffung der Monarchie und die Gründung der Italienischen Republik nach dem Zweiten Weltkrieg. Bis heute steht der Feiertag für Demokratie, Mitbestimmung und den Neuanfang eines Landes, das sich nach Diktatur und Krieg neu erfinden musste.
Als die Italiener am 2. und 3. Juni 1946 an die Wahlurnen gingen, stand eine grundlegende Frage zur Entscheidung: Sollte Italien weiterhin eine Monarchie bleiben oder künftig als Republik organisiert werden? Das Königshaus Savoyen hatte das Land seit der Einigung Italiens im Jahr 1861 regiert. Seine enge Verbindung zum faschistischen Regime unter Benito Mussolini und die Erfahrungen des Krieges hatten jedoch das Vertrauen vieler Bürger erschüttert. Das Referendum wurde deshalb zu einer Abstimmung über die politische Zukunft des Landes.
Die Beteiligung war außergewöhnlich hoch. Fast 25 Millionen Menschen gaben ihre Stimme ab. Rund 54,3 Prozent entschieden sich für die Republik, während etwa 45,7 Prozent die Monarchie beibehalten wollten. Mit diesem Ergebnis endete nach 85 Jahren das Königreich Italien. König Umberto II. verließ das Land und ging ins Exil. Die Geburtsstunde der Republik wurde schließlich am 18. Juni 1946 offiziell bestätigt.
Das Referendum hatte noch eine weitere historische Bedeutung: Erstmals konnten italienische Frauen auf nationaler Ebene an einer Wahl teilnehmen. Damit wurde der Grundstein für eine breitere demokratische Beteiligung gelegt. Zeitgleich wurde eine Verfassunggebende Versammlung gewählt, die die neue republikanische Verfassung ausarbeitete. Sie trat am 1. Januar 1948 in Kraft und bildet bis heute die Grundlage des italienischen Staates.
Bereits 1947 wurde der 2. Juni erstmals als Festtag begangen. Seit 1948 gehört die große Militärparade in Rom zu den zentralen Feierlichkeiten. Nach einer zwischenzeitlichen Verlegung auf den ersten Sonntag im Juni wurde der Feiertag im Jahr 2000 wieder dauerhaft auf den 2. Juni gelegt.
Bis heute prägt die Entscheidung von 1946 die politische Kultur Italiens. Die Republik schuf die Grundlage für demokratische Institutionen, freie Wahlen und die Verankerung von Grundrechten. Der Nationalfeiertag erinnert daher nicht nur an ein historisches Ereignis, sondern auch an die Werte, auf denen das moderne Italien beruht. Die Feierlichkeiten beginnen traditionell mit einer Kranzniederlegung am Grabmal des unbekannten Soldaten in Rom. Anschließend folgt die Militärparade entlang der Via dei Fori Imperiali. Ein Höhepunkt ist der Überflug der Kunstflugstaffel Frecce Tricolori, die die italienischen Nationalfarben an den Himmel zeichnet.
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