Seit 2022 steht der 16. Juni im Zeichen einer der ältesten und zugleich wandlungsfähigsten Speisen der Welt: der Tortilla. Der Gedenktag geht zurück auf die Tortilleria Cuauhtémoc, die am 16. Juni 2002 gegründet wurde und seither mit handgemachten Mais- und Weizentortillas die kulinarische Landschaft bereichert. Mit der Einführung des Tortilla-Tags rückt sie das einfache Fladenbrot in den Mittelpunkt gemeinschaftlicher Mahlzeiten und lädt dazu ein, selbst zu Teig, Presse und Pfanne zu greifen.
Die Geschichte der Tortilla reicht über 7000 Jahre zurück. Bereits die frühen mesoamerikanischen Kulturen nutzten getrockneten Mais als Grundnahrungsmittel, das durch das Verfahren der Nixtamalisation nicht nur bekömmlicher, sondern auch nährstoffreicher wurde. Durch das Kochen mit Kalk werden Vitamine freigesetzt und Mineralstoffe wie Calcium besser verfügbar gemacht; ein Verfahren, das bis heute bei der Herstellung echter Maistortillas Anwendung findet.
Die Tortilla ist mehr als eine Beilage. In Mexiko dient sie als essbarer Teller, Löffel und Umhüllung für Füllungen aller Art. In der Tex-Mex-Küche hat sich daneben die Weizentortilla durchgesetzt, die weicher, elastischer und vielseitig formbar ist. Ob gefüllt, gerollt oder in Streifen geschnitten und frittiert, die Variationen sind ebenso vielfältig wie die Regionen, aus denen sie stammen.
Der Tortilla-Tag lädt dazu ein, sich dieser kulturellen und kulinarischen Tiefe bewusst zu werden. Eine selbstgemachte Tortilla verlangt nicht mehr als Mehl, Wasser, ein wenig Salz und die Bereitschaft, sich Zeit zu nehmen. Was daraus entsteht, ist nicht nur ein einfaches Gericht, sondern ein Stück gelebter Geschichte und vielleicht ein Anlass, gemeinsam zu essen.

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- Bücher Suhrkamp-Verlag KI wn: Werner Niedermeier | Werner Niedermeier
- Helgoland vom Meer aus wn crop: Werner Niedermeier | Werner Niedermeier