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10. Juli 2026 – Clerihew-Tag

Am 10. Juli wird in literarisch interessierten Kreisen der sogenannte Clerihew-Tag begangen.

Am 10. Juli wird in literarisch interessierten Kreisen der sogenannte Clerihew-Tag begangen. Edmund Clerihew Bentley, geboren am 10. Juli 1875. Bentley war ein britischer Schriftsteller und Journalist, der vor allem für eine besondere Form kurzer, humorvoller Gedichte bekannt wurde: den Clerihew.

Der Namensgeber und Erfinder dieses Gedichttyps entwickelte bereits als Schüler das Prinzip des Clerihews. Die Struktur ist denkbar einfach, zugleich aber kreativ herausfordernd. Es handelt sich um einen Vierzeiler mit Paarreimen, wobei der erste Vers stets den Namen einer realen Person enthält. Die weiteren Zeilen enthalten eine augenzwinkernde, oft absurde oder ironische Beschreibung einer Eigenschaft, Handlung oder bekannten Tatsache über die genannte Figur. Die Zeilen sind bewusst unregelmäßig im Rhythmus, was dem Clerihew seinen eigentümlichen Witz verleiht.

Ein klassisches Beispiel aus Bentleys Feder lautet:

Sir Humphry Davy
Abominated gravy.
He lived in the odium
Of having discovered sodium.

Hier wird der berühmte Chemiker Sir Humphry Davy mit der ironischen Behauptung vorgestellt, er habe Soße verabscheut, und leide am Ruhm seiner Entdeckung von Natrium. Der scheinbare Unsinn und die witzige Verbindung alltäglicher und wissenschaftlicher Begriffe ist typisch für diese Form.

Die Gedichtform hat seither viele Nachahmer gefunden und wird nicht nur im englischsprachigen Raum, sondern zunehmend auch international geschätzt. Der Clerihew gilt heute als literarische Fingerübung mit Unterhaltungswert. Er ist leicht zugänglich, auch für ungeübte Dichter, weil weder Metrik noch Formstrenge das Schreiben erschweren. Der Humor, der oft auf Wortspielen oder überraschenden Assoziationen beruht, macht die Gedichte zu einem beliebten Mittel in Schule, Journalismus oder Unterhaltungsliteratur.

Der Clerihew-Tag ist eine Einladung zur spielerischen Auseinandersetzung mit Sprache und biografischen Momenten. An diesem Tag schreiben Literaturfreunde gerne eigene Clerihews über bekannte Persönlichkeiten, Freunde oder auch sich selbst. In sozialen Netzwerken kursieren Gedichtbeiträge, und besonders in englischsprachigen Ländern nutzen Lehrer und Dozenten das Datum, um mit Schülern das kreative Schreiben auf humorvolle Weise zu üben.

Der Tag erinnert daran, dass Poesie nicht immer ernst oder bedeutungsschwer sein muss. Sie darf auch verspielt und voller Wortwitz sein. Dass diese Form der literarischen Miniatur auf das Konto eines jungen Schülers zurückgeht, der mit wenigen Zeilen einen bis heute bekannten Stil geprägt hat, zeigt zudem, wie groß die Wirkung kleiner Ideen sein kann.

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