Am 13. August 1878 machten fünf Männer aus dem Shenandoah Valley, darunter Andrew Campbell, William Campbell und Benton Stebbins, eine Entdeckung, die Geschichte schreiben sollte. Beim Erkunden einer Felsspalte, aus der ein kühler Luftzug strömte, öffneten sie mit Hacken einen Zugang zu einer bis dahin unbekannten unterirdischen Welt. Mit Kerzenlicht und einfachen Seilen wagten sie sich in die Tiefe und fanden sich in gewaltigen Hallen mit filigranen Tropfsteinformationen, spiegelnden Wasserbecken und bizarren Kalksteinfiguren wieder. Die Schönheit der Höhle war überwältigend, und schon bald sollte sie als Luray Caverns Berühmtheit erlangen.
Die Entdecker erkannten sofort den Wert ihres Fundes, hielten ihn jedoch zunächst geheim. Hintergrund war eine laufende Zwangsversteigerung des Grundstücks, auf dem sich die Höhle befand. Der Besitzer Sam Buracker hatte Schulden, und die Männer nutzten die Gelegenheit, das Land preiswert zu erwerben, ohne den wahren Grund ihres Interesses offenzulegen. Doch der Plan scheiterte: Burackers Schwiegersohn William T. Biedler klagte wegen arglistiger Täuschung. Während ein örtliches Gericht zunächst zugunsten der Käufer entschied, hob der Oberste Gerichtshof von Virginia 1881 den Kauf auf. Das Land ging damit zurück an Buracker beziehungsweise an dessen Gläubiger.
Trotz dieser juristischen Niederlage blieb die Höhle nicht lange ungenutzt. Schon kurz nach ihrer Entdeckung wurde sie für Besucher geöffnet. Für ein Eintrittsgeld von 50 Cent konnten Neugierige die unterirdische Welt bestaunen. Die Nachricht von den Luray Caverns verbreitete sich schnell, Berichte in überregionalen Zeitungen und Empfehlungen von Wissenschaftlern machten sie bald zu einer Attraktion. Mit der Zeit wurden Wege angelegt, Beleuchtung installiert und Führungen organisiert, was den Zugang erheblich erleichterte und die Besucherzahlen steigen ließ.
Heute sind die Luray Caverns eine der meistbesuchten Tropfsteinhöhlen der Vereinigten Staaten. Jährlich strömen Hunderttausende Touristen in das Shenandoah Valley, um die mächtigen Stalaktiten und Stalagmiten, die unterirdischen Seen und das einzigartige Great Stalacpipe Organ zu sehen, das Töne aus den natürlichen Gesteinsformationen erzeugt. Neben ihrer touristischen Bedeutung dienen die Höhlen auch der Forschung. Geologen und Klimaforscher gewinnen aus den Tropfsteinablagerungen wertvolle Daten über die Klimageschichte der Region. Die Entdeckung von 1878, einst von wenigen Männern geheim gehalten, ist damit zu einem dauerhaften Symbol für Naturwunder, Unternehmergeist und den nachhaltigen Wert geologischer Schätze geworden.
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