Am 3. September 1875 wurde Ferdinand Porsche in Maffersdorf bei Reichenberg in Böhmen, dem heutigen Vratislavice nad Nisou in Tschechien, geboren. Der Sohn eines Spenglermeisters absolvierte zunächst eine Lehre im Betrieb seines Vaters und besuchte daneben elektrotechnische Kurse. Ein reguläres Ingenieurstudium hatte er nicht. 1893 ging er nach Wien zur Elektrofirma Béla Egger & Co., wenige Jahre später wechselte er zur Wagenfabrik Jacob Lohner. Dort begann seine Laufbahn als einer der einflussreichsten Fahrzeugkonstrukteure des 20. Jahrhunderts.
Schon seine frühen Arbeiten waren ungewöhnlich. Für Lohner entwickelte Porsche einen elektrischen Radnabenantrieb. Das 1900 auf der Pariser Weltausstellung vorgestellte Lohner-Porsche-Elektromobil erregte internationales Aufsehen. Im selben Jahr entstand auch ein Fahrzeug, bei dem ein Verbrennungsmotor Strom für Elektromotoren erzeugte. Damit gehörte Porsche zu den frühen Wegbereitern des Hybridantriebs.
1906 wurde Porsche Technischer Direktor bei Austro-Daimler in Wiener Neustadt, 1917 stieg er dort zum Generaldirektor auf. 1923 wechselte er zur Daimler-Motoren-Gesellschaft nach Stuttgart. Unter seiner Leitung entstanden unter anderem die leistungsstarken Mercedes-Kompressorwagen der Typen S, SS und SSK. Nach weiteren Stationen bei Daimler-Benz und Steyr gründete er 1931 in Stuttgart ein eigenes Konstruktionsbüro. Zu seinen bedeutendsten Arbeiten der folgenden Jahre gehörte der Auto-Union-Rennwagen mit seiner damals ungewöhnlichen Motoranordnung vor der Hinterachse.
Eng verbunden ist Porsches Name mit dem Volkswagen. Bereits zuvor hatte er preiswerte Kleinwagen für Zündapp und NSU entwickelt. 1934 erhielt sein Büro vom Reichsverband der Automobilindustrie den Auftrag, einen vom NS-Regime geforderten „Volkswagen“ zu konstruieren. Porsche wurde 1937 Geschäftsführer der Gesellschaft zur Vorbereitung des Deutschen Volkswagens und wirkte maßgeblich an Planung und Aufbau des späteren Volkswagenwerks bei Fallersleben mit. Der für die Massenmotorisierung propagierte KdF-Wagen ging vor Kriegsbeginn jedoch nicht in die versprochene Serienproduktion.
Dieser Teil seiner Karriere lässt sich von seiner Zusammenarbeit mit dem nationalsozialistischen Regime nicht trennen. Porsche beantragte 1937 die Aufnahme in die NSDAP, wurde zum Wehrwirtschaftsführer ernannt und als SS-Oberführer geführt. Während des Krieges arbeitete sein Konstruktionsbüro an Militärfahrzeugen und Panzerprojekten wie dem „Tiger“ und der „Maus“. Die Porsche KG beschäftigte mehr als 400 Zwangsarbeiter. Auch im Volkswagenwerk wurden Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge in großer Zahl eingesetzt. Porsche profitierte wirtschaftlich von seiner Nähe zur NS-Führung und übernahm wichtige Funktionen in der Rüstungswirtschaft.
Nach Kriegsende wurde Porsche zunächst von den Amerikanern, später von den französischen Behörden festgenommen. 1947 kam er gegen Kaution frei, 1948 erfolgte in Frankreich ein Freispruch. Während seiner Haft hatte sein Sohn Ferry Porsche zunehmend die Leitung des Unternehmens übernommen. Unter dessen Führung entstand 1948 mit dem Porsche 356 das erste Serienfahrzeug, das den Namen Porsche trug.
Ferdinand Porsche starb am 30. Januar 1951 in Stuttgart. Sein Einfluss auf die Automobiltechnik ist unbestritten, von frühen Elektro- und Hybridfahrzeugen über Rennwagen bis zum Volkswagen. Ebenso gehört jedoch seine enge Verflechtung mit dem NS-Regime zu seiner Biografie. Wer an Ferdinand Porsche erinnert, muss deshalb beide Seiten betrachten: den außergewöhnlich einfallsreichen Konstrukteur und den Unternehmer, der die Möglichkeiten einer verbrecherischen Diktatur für seine technischen und wirtschaftlichen Ziele nutzte.
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