Am letzten Samstag im Oktober dreht sich alles um ein Tier, das normalerweise nicht besonders viel Aufmerksamkeit bekommt: das Schaf. Der Umarme ein Schaf-Tag (National Hug a Sheep Day) erinnert daran, dass Schafe weit mehr zu bieten haben als Wolle und einen gelegentlichen Auftritt in der sprichwörtlichen Herde. Der ungewöhnliche Aktionstag stammt aus den USA und hat eine ebenso ungewöhnliche Entstehungsgeschichte.
Seine Wurzeln reichen ins Jahr 1992 zurück, als die amerikanische Schäferin und Textilkünstlerin Sara Dunham ein Schaf namens Punkin rettete. Dunham, die auch als „Crazy Sheep Lady of Equinox Farms“ bekannt wurde, hatte das Tier am 30. Oktober 1992 übernommen und erklärte diesen Tag zu seinem Geburtstag. Punkin entwickelte sich zu einem besonderen Begleiter, der seine Besitzerin sogar bei öffentlichen Veranstaltungen und Schulbesuchen begleitete. Als das Schaf 2004 starb, wollte Dunham die Erinnerung an ihren ungewöhnlichen Freund bewahren. Aus dieser persönlichen Geschichte entstand die Idee, auch anderen Schafen etwas Aufmerksamkeit und Zuneigung zu schenken.
Inzwischen wird der Aktionstag auch außerhalb der Vereinigten Staaten aufgegriffen. Einige Schaffarmen bieten Besuchern die Gelegenheit, ihre Tiere kennenzulernen und mehr über deren Haltung und Pflege zu erfahren. Wer ein Schaf tatsächlich umarmen möchte, sollte allerdings darauf achten, ob das Tier den Körperkontakt überhaupt zulässt. Nicht jedes Schaf ist so zutraulich wie Punkin.
Schafe gehören zu den ältesten Nutztieren des Menschen. Seit Jahrtausenden liefern sie Wolle, Fleisch und Milch. Aus dem Wollfett wird außerdem Lanolin gewonnen, das unter anderem in Kosmetikprodukten Verwendung findet. Darüber hinaus übernehmen Schafe eine wichtige Aufgabe in der Landschaftspflege. Sie halten durch das Beweiden Gras und andere Pflanzen kurz und tragen dazu bei, offene Landschaften zu erhalten. Ihr vergleichsweise geringes Gewicht schont den Boden. Besonders auf Deichen, Heideflächen und extensiv bewirtschafteten Wiesen ist ihre Arbeit deshalb gefragt.
In Deutschland hat sich die Zahl der Schafe allerdings deutlich verringert. Während im Jahr 2000 noch rund 2,7 Millionen Tiere gehalten wurden, waren es 2025 nur noch etwa 1,5 Millionen. Die größten Bestände finden sich in Bayern, Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein. Allein in Bayern wurden 2025 rund 260.700 Schafe gezählt.
Eine besondere Rolle spielt die Schafhaltung in der ökologischen Landwirtschaft. Im Jahr 2023 hielten 3.060 deutsche Betriebe insgesamt rund 259.800 Schafe nach ökologischen Richtlinien. Damit entfielen etwa 14 Prozent des gesamten Schafbestands auf die ökologische Haltung. Unter den großen Nutztierarten liegt dieser Anteil vergleichsweise hoch, was vor allem mit der extensiven Weidewirtschaft zusammenhängt.
Der Umarme ein Schaf-Tag bietet somit eine Gelegenheit, sich mit einem Nutztier zu beschäftigen, dessen Bedeutung häufig unterschätzt wird. Und wer kein Schaf zum Umarmen in Reichweite hat, kann sich immerhin mit einem Wollpullover behelfen.

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