Am ersten Sonntag im November wird in den USA die Uhr von der Sommerzeit auf die Winterzeit zurückgestellt. Damit gewinnen die Menschen eine Stunde, die sie für zusätzliche Arbeit, unerledigte Aufgaben oder den Haushalt nutzen könnten. Doch genau das sollen sie nicht tun. Der Tag des Nichtstuns (Zero Tasking Day) lädt dazu ein, die gewonnene Zeit einfach zu genießen, ohne Pläne, Verpflichtungen oder den Anspruch, etwas Sinnvolles leisten zu müssen.
Die Idee stammt von der amerikanischen Autorin Nancy Christie, die den ungewöhnlichen Aktionstag nach eigenen Angaben 2005 ins Leben rief. Sie wollte damit auf eine Gewohnheit aufmerksam machen, die unseren Alltag zunehmend bestimmt: Jede freie Minute soll möglichst produktiv genutzt werden. Selbst die Freizeit wird häufig durchgeplant und mit Aktivitäten gefüllt. Christie schlug deshalb vor, die zusätzliche Stunde bei der Zeitumstellung ganz bewusst von sämtlichen Aufgaben freizuhalten.
Der Gedanke dahinter ist ebenso einfach wie ungewohnt. Wer nichts tut, verschwendet nicht zwangsläufig seine Zeit. Im Gegenteil: Phasen ohne feste Beschäftigung können helfen, Abstand vom Alltag zu gewinnen, Gedanken zu ordnen und neue Energie zu sammeln. Allerdings fällt es vielen Menschen schwer, wirklich einmal untätig zu bleiben. Kaum entsteht eine Pause, wird zum Smartphone gegriffen, eine Nachricht beantwortet oder überlegt, was als Nächstes erledigt werden könnte.
Dabei verlangt der Tag des Nichtstuns weder besondere Vorbereitungen noch bestimmte Rituale. Man kann gemütlich im Bett liegen bleiben, eine Tasse Kaffee trinken und aus dem Fenster schauen. Vielleicht setzt man sich in den Garten, beobachtet die vorbeiziehenden Wolken oder lässt die Gedanken schweifen. Auch ein Spaziergang ohne festes Ziel passt durchaus zum Anlass. Entscheidend ist nicht, was man macht, sondern dass man nichts machen muss.
Interessanterweise widerspricht der Aktionstag damit auch einer verbreiteten Vorstellung von Erholung. Häufig wird selbst Entspannung als eine Aufgabe betrachtet, die möglichst wirkungsvoll gestaltet werden soll. Yoga, Meditation oder ein ausgedehntes Wellnessprogramm können zwar wohltuend sein, doch am Tag des Nichtstuns geht es gerade nicht darum, die Freizeit durch ein weiteres Programm zu ersetzen. Es muss weder ein Entspannungsziel erreicht noch ein persönlicher Erfolg verbucht werden.
In Deutschland findet die Umstellung auf die Winterzeit bereits am letzten Sonntag im Oktober statt. Der amerikanische Aktionstag fällt dagegen auf den ersten Sonntag im November, weil dort die Sommerzeit eine Woche später endet. Die zusätzliche Stunde haben die Menschen hierzulande also schon hinter sich. Die Idee lässt sich dennoch problemlos übernehmen, schließlich braucht es keine Zeitumstellung, um sich gelegentlich eine Pause zu erlauben.
Vielleicht liegt darin die eigentliche Botschaft des Tages des Nichtstuns: Nicht jede Minute muss einen Zweck erfüllen. Manchmal genügt es vollkommen, einfach dazusitzen und nichts Besonderes zu tun. Und wer dabei ein schlechtes Gewissen bekommt, kann sich zumindest damit trösten, dass er ausnahmsweise genau das macht, was der Kalender vorsieht.

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