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21. August 2010 – Todestag Christoph Schlingensief

Am 21. August jährt sich der Todestag von Christoph Schlingensief, einem der vielseitigsten und provokantesten Künstler Deutschlands.

Am 21. August jährt sich der Todestag von Christoph Schlingensief, einem der vielseitigsten und provokantesten Künstler Deutschlands. Der Film- und Theaterregisseur, Autor und Aktionskünstler starb am 21. August 2010 im Alter von 49 Jahren an Lungenkrebs. Sein Werk, das von Experimentalfilmen über politische Performances bis hin zu Operninszenierungen reicht, hat die deutsche Kulturlandschaft nachhaltig geprägt und beeinflusst.

Schlingensief wurde am 24. Oktober 1960 in Oberhausen geboren. Er begann seine Karriere als Filmemacher in den 1980er Jahren mit trashigen und satirischen Werken wie Tunguska – Die Kisten sind da oder seiner Deutschland-Trilogie, die sich mit der deutschen Geschichte und Identität auseinandersetzte. Seine Filme wurden oft mit denen von Jean-Luc Godard oder Russ Meyer verglichen, aber auch heftig kritisiert.

In den 1990er Jahren wandte sich Schlingensief dem Theater zu und inszenierte an der Berliner Volksbühne unter anderem 100 Jahre CDU – Spiel ohne Grenzen oder Rocky Dutschke ’68, bei denen er mit Menschen mit Behinderung, Laien und Prominenten arbeitete. Seine Theaterstücke waren oft interaktiv, anarchisch und gesellschaftskritisch. Er thematisierte unter anderem die deutsche Wiedervereinigung, den Rechtsextremismus, die Globalisierung oder die Medienkultur.

Zu seinen bekanntesten Aktionen gehörte die Partei Chance 2000, die er 1998 zur Bundestagswahl gründete und mit der er unter dem Motto „Wählt euch selbst“ zum politischen Engagement aufrief. Er organisierte auch Demonstrationen gegen Helmut Kohl, eine Container-Siedlung für Asylbewerber oder eine Talkshow mit krebskranken Gästen.

Im Jahr 2004 wurde Schlingensief als erster deutscher Regisseur zu den Bayreuther Festspielen eingeladen, wo er den Parsifal inszenierte. Er verband dabei die Musik von Richard Wagner mit Elementen aus dem Buddhismus, dem Christentum und dem Islam. Die Inszenierung wurde von Publikum und Kritik gefeiert, aber auch kontrovers diskutiert.

Nach seiner Krebsdiagnose im Jahr 2008 begann Schlingensief sein letztes großes Projekt: das Operndorf Afrika in Burkina Faso. Er wollte dort einen Ort schaffen, an dem Kunst und Leben miteinander verbunden sind. Das Operndorf umfasst eine Schule, ein Krankenhaus, ein Gästehaus, ein Künstleratelier und ein Festspielhaus. Schlingensief konnte die Fertigstellung des Projekts nicht mehr erleben, aber seine Witwe Aino Laberenz führt es seit seinem Tod weiter.

Christoph Schlingensief war ein Künstler, der polarisierte, provozierte und inspirierte. Er hinterließ ein vielfältiges und unverwechselbares Werk, das bis heute nachwirkt und neue Impulse setzt. Er wird als einer der wichtigsten deutschen Künstler des 20. und 21. Jahrhunderts in Erinnerung bleiben.

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  • September,13,,2006,-,Berlin:,Christoph,Schlingensief,Explaining,His,Latest: Shutterstock | Shutterstock

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