Wenn sich jedes Jahr Mitte Juli hunderte Fans ostdeutscher Motorradgeschichte treffen, knattert es nicht nur auf den Straßen, sondern auch in den Herzen vieler Nostalgiker. Der sogenannte Simson-Tag ist mehr als ein Schraubertreffen – er ist ein liebevoll gepflegter Tribut an eines der bekanntesten Zweiräder der DDR: die Simson.
Die Geschichte der Simson-Mopeds beginnt weit vor ihrer eigentlichen Kultzeit. Das Werk in Suhl, das später die Simson-Fahrzeuge produzierte, wurde bereits 1856 gegründet. Ursprünglich fertigte man Waffen, später Fahrräder, Autos und Motorräder. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Werk Teil der volkseigenen Industrie der DDR. Unter dem Namen „VEB Fahrzeug- und Jagdwaffenwerk Ernst Thälmann Suhl“ begann die Moped-Produktion im großen Stil.
Der große Durchbruch gelang Simson mit der „Schwalbe“ – dem Modell KR 51 –, das ab 1964 vom Band rollte. Die Schwalbe wurde zum Symbol ostdeutscher Mobilität: robust, einfach zu warten, mit einem markanten Design. Ihr unverwechselbares Knattern gehörte zum Klangbild vieler DDR-Straßen. Daneben wurden auch andere Modelle wie der Star, der Habicht oder später die leistungsstarken S 50 und S 51 entwickelt. Letzteres wurde zum erfolgreichsten Kleinkraftrad der DDR – über 1,5 Millionen Stück wurden produziert.
Nach der Wiedervereinigung geriet Simson in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Zwar versuchte man, mit neuen Modellen wie der S 53 oder der Albatros an frühere Erfolge anzuknüpfen, doch die Konkurrenz war übermächtig. 2002 wurde das Werk endgültig geschlossen. Die Marke Simson verschwand aus der Serienproduktion – aber nicht aus den Herzen der Fans.
Der Simson-Tag, der an wechselnden Orten stattfindet, entstand aus der Begeisterung dieser Fangemeinde heraus. Es ist kein offizieller Gedenktag, sondern ein jährlich wiederkehrendes, meist privat oder von Vereinen organisiertes Treffen. Dabei geht es nicht nur um die Präsentation liebevoll restaurierter Fahrzeuge, sondern auch um das Bewahren eines Stücks ostdeutscher Technik- und Alltagsgeschichte. Für viele ehemalige DDR-Bürger war die Simson das erste eigene Fortbewegungsmittel – und manchmal auch ein Stück Freiheit auf zwei Rädern.
Auch heute noch genießen Simson-Mopeds einen besonderen rechtlichen Status: Durch eine Altregelung dürfen sie bis zu 60 km/h fahren und dennoch als Kleinkraftrad mit Mopedkennzeichen zugelassen werden. Das macht sie auch für jüngere Generationen interessant – nicht nur als Sammlerstück, sondern als praktisches Fortbewegungsmittel mit Kultfaktor.
Der Simson-Tag ist deshalb mehr als ein Schraubertreffen. Er ist ein lebendiges Denkmal ostdeutscher Ingenieurskunst, ein Fest der Gemeinschaft und ein Zeichen dafür, wie ein einfaches Moped zu einem Symbol wurde – für Generationen, für eine Region, für ein Lebensgefühl.

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