Am 14. August 1975 feierte die Rocky Horror Picture Show im Chelsea Cinema in London ihre Weltpremiere. Was zunächst wie eine skurrile Filmadaption eines kleinen Bühnenmusicals wirkte, entwickelte sich über die Jahre zu einem der langlebigsten und bekanntesten Kultfilme der Kinogeschichte. Die Wurzeln liegen im Jahr 1973, als der britische Schauspieler, Autor und Musiker Richard O’Brien sein Musical The Rocky Horror Show in einem kleinen Theatersaal des Royal Court Theatre in Chelsea uraufführte. Mit nur 63 Sitzplätzen begann eine Erfolgsgeschichte, die bald in größere Spielstätten führte und das Interesse der Filmindustrie weckte.
Für die Verfilmung gewann man Regisseur Jim Sharman, der bereits die Bühnenproduktion inszeniert hatte. Gedreht wurde 1974 unter anderem im historischen Oakley Court nahe Windsor, einem viktorianischen Herrenhaus, das schon in zahlreichen britischen Horrorfilmen als Kulisse diente. Die Besetzung blieb weitgehend identisch zur Theaterfassung: Tim Curry als exzentrischer Wissenschaftler Dr. Frank-N-Furter, Richard O’Brien als mysteriöser Riff Raff, Patricia Quinn als Magenta und Nell Campbell als Columbia. Neu hinzu kamen Barry Bostwick und Susan Sarandon als das biedere Liebespaar Brad und Janet.
Die Handlung ist eine parodistische Hommage an B-Movies, Horror- und Science-Fiction-Filme der 1930er bis 1950er Jahre. Brad und Janet geraten nach einer Autopanne in das Schloss des extravaganten Dr. Frank-N-Furter, der an diesem Abend sein neuestes Werk präsentiert: den künstlich erschaffenen Muskelmann Rocky. Aus einem schlichten Hilfegesuch entwickelt sich eine wilde Nacht voller Musik, schriller Kostüme und grotesker Begegnungen.
Trotz seiner heutigen Popularität war der Film anfangs kein Erfolg. In vielen Kinos lief er nur wenige Tage, und die Kritiken fielen gemischt aus. Der Wendepunkt kam 1976 in den USA, als das Waverly Theater in New York den Film ins Mitternachtsprogramm aufnahm. Hier begann sich eine einzigartige Fangemeinde zu formieren: Zuschauer erschienen in Kostümen, sangen und tanzten zu den Liedern, riefen Kommentare in die Dialogpausen und warfen Requisiten wie Reis oder Konfetti in den Saal. Dieses interaktive Erlebnis prägte den Kultstatus und machte den Film zu einem festen Bestandteil des Mitmachkinos.
In Deutschland startete das Phänomen ab 1977. Die Museum Lichtspiele in München wurden dafür zur Legende, denn seit über 45 Jahren treffen sich dort die sogenannte Shadow Cast (Fan-Ensembles, die den Film live auf der Bühne vor der Leinwand nachspielen), Neulinge und alte Fans – mindestens einmal wöchentlich: im passenden Saal-Setting, mit Fan-Pack, Kostümfreude und viel Spaß.
Die Rocky Horror Picture Show ist und bleibt ein Paradebeispiel dafür, wie ein Film durch die Leidenschaft und Interaktion seines Publikums lebendig gehalten werden kann. Das Mitmachkino hat sie zum Kultfilm gemacht und Orte wie das Museum Lichtspiele zeigen, wie eng Subkultur und Mainstream sich über Jahrzehnte verweben können.
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