Jedes Jahr am letzten Mittwoch im August wird das kleine Städtchen Buñol in der spanischen Region Valencia zum Schauplatz eines der ungewöhnlichsten Volksfeste der Welt. La Tomatina, wie das Fest genannt wird, hat seinen Ursprung in den 1940er Jahren, als es während eines Umzuges zu einer Auseinandersetzung zwischen jungen Leuten kam. In der Nähe des Marktplatzes lagen Kisten mit Gemüse, und bald flogen die ersten Tomaten. Die spontane Aktion wiederholte sich in den folgenden Jahren, obwohl die Behörden sie zunächst zu unterbinden versuchten. Mit der Zeit wurde das Ereignis jedoch von offizieller Seite akzeptiert und schließlich in den Festkalender aufgenommen. Heute gilt die Tomatina als eines der bekanntesten spanischen Feste, das Besucher aus aller Welt nach Buñol lockt.
Die Veranstaltung folgt einem festen Ablauf. Gegen Mittag beginnt die eigentliche Tomatenschlacht, die genau eine Stunde dauert. Lkw liefern mehrere hundert Tonnen überreifer Tomaten, die eigens für diesen Zweck gezüchtet werden und nicht zum Verzehr gedacht sind. Sobald das Startsignal gegeben wird, verwandelt sich die Stadt in ein rotes Schlachtfeld. Menschen werfen Tomaten aufeinander, lachen, rutschen durch den Brei und genießen den Ausnahmezustand. Wichtig ist dabei die Regel, die Früchte vorher zu zerdrücken, um Verletzungen zu vermeiden. Nach einer Stunde ertönt das Schlusssignal und die wilde Jagd endet so abrupt, wie sie begonnen hat.
Die Straßen Buñols sind danach mit einer dicken Schicht aus Tomatenmark bedeckt, doch die Stadt ist vorbereitet. Feuerwehr und Anwohner beginnen sofort mit den Reinigungsarbeiten, und schon wenige Stunden später zeigt sich das Städtchen wieder in gewohntem Bild. Für die Bevölkerung ist das Fest eine Gelegenheit, internationale Gäste willkommen zu heißen und zugleich ihre eigene Tradition zu feiern. Für die Teilnehmer bleibt die Erfahrung ein außergewöhnliches Erlebnis, das Geselligkeit, Lebensfreude und eine gewisse Lust am Absurden verbindet.
Obwohl das Fest auf den ersten Blick wie eine gigantische Materialschlacht wirkt, steckt hinter der Organisation ein eingespieltes System. Sicherheitskräfte überwachen das Geschehen, und die Zahl der Eintrittskarten ist begrenzt, um die Menschenmengen zu kontrollieren. So hat sich La Tomatina von einem lokalen Streich zu einem weltberühmten Volksfest entwickelt, das jedes Jahr aufs Neue zeigt, wie stark die Freude am Feiern und am gemeinschaftlichen Erleben in der spanischen Kultur verwurzelt ist.
