Am 28. August wird in den Vereinigten Staaten der National Cherry Turnover Day begangen, der auf Deutsch als Tag der Kirschtasche bezeichnet werden kann. Damit rückt ein Gebäck in den Mittelpunkt, das knusprigen Teig mit fruchtiger Füllung verbindet und seit Jahrhunderten als handlicher Begleiter für unterwegs geschätzt wird.
Kirschtaschen gehören zur großen Familie der sogenannten Turnovers, kleiner Teigtaschen, die süß oder herzhaft gefüllt werden können und die schon im Mittelalter in europäischen Backstuben verbreitet waren. In einem englischen Kochbuch aus dem Jahr 1747, Hannah Glasse’s „Art of Cookery Made Plain and Easy“, findet sich ein frühes Rezept, das die handliche Form und die Vielseitigkeit dieser Gebäckspezialität dokumentiert. Europäische Siedler brachten die Tradition später nach Nordamerika, wo die Kirschtasche ihren festen Platz in der amerikanischen Bäckereikultur fand. Seit 2005 ist der 28. August in amerikanischen Kalendern als Ehrentag für dieses Gebäck verzeichnet, auch wenn die genaue Herkunft des Feiertages unklar bleibt.
Die Beliebtheit der Kirschtasche hängt eng mit der Kirschkultur zusammen, insbesondere mit der Entwicklung der Anbaugebiete in den Vereinigten Staaten. Schon Mitte des 19. Jahrhunderts legte der Missionar Peter Dougherty die ersten größeren Kirschplantagen auf der Old Mission Halbinsel in Michigan an. Heute stammen mehr als drei Viertel der amerikanischen Kirschernte aus diesem Bundesstaat. Ein einzelner Kirschbaum bringt im Durchschnitt rund 7000 Früchte hervor, und landesweit werden jährlich mehr als 650 Millionen Pfund Kirschen geerntet. Ein beträchtlicher Teil dieser Ernte findet seinen Weg in Backwaren wie Torten, Pies und eben Kirschtaschen. Die Kombination aus säuerlich-süßer Frucht und buttrig-blättrigem Teig hat den kleinen Strudeln den Ruf eingebracht, eine der beliebtesten Sommernaschereien zu sein.
Der Tag der Kirschtasche ist damit nicht nur ein kulinarischer Anlass, sondern auch ein Spiegel von Landwirtschaft, Handwerkskunst und Esskultur. Er erinnert daran, dass ein Stück Gebäck auch Geschichte in sich trägt: von mittelalterlichen Rezepten über europäische Auswanderer bis zu den fruchtbaren Plantagen des Mittleren Westens. Wer am 28. August eine Kirschtasche genießt, nimmt so auch ein Stück Kulturgeschichte in die Hand.
