Am 29. Oktober 1923 begann in Berlin eine neue Ära der Kommunikation: Der erste deutsche Radiosender, die “Funk-Stunde Berlin”, startete seinen Betrieb und sendete die erste Unterhaltungssendung auf drahtlosem Wege. Damit war Deutschland eines der ersten Länder in Europa, das ein regelmäßiges Hörfunkprogramm anbot.
Die “Funk-Stunde Berlin” war eine Initiative der “Deutschen Stunde”, einer Gesellschaft, die sich zum Ziel gesetzt hatte, “gemeinnützige Veranstaltungen von öffentlichen Konzerten und Vorträgen, belehrenden, unterhaltenden sowie alle weiteren Kreise der Bevölkerung interessierenden Darbietungen auf drahtlosem Wege im Deutschen Reiche” zu verbreiten. Die Gesellschaft hatte im Mai 1922 die Genehmigung erhalten, einen Rundfunksender zu betreiben, nachdem das Verbot von privaten Funkstationen aufgehoben worden war.
Der Sendekomplex befand sich im Voxhaus, einem modernen Bürogebäude in der Nähe des Potsdamer Platzes. Der Aufnahmeraum war eine Dachkammer, die mit Wolldecken schallisoliert war. Ein Stuhl mit Adressbüchern diente als Mikrofonständer. Die Sendeleistung betrug 0,5 Kilowatt und die Reichweite etwa 100 Kilometer.
Die erste Sendung begann um 20 Uhr mit einer Ansage: „Achtung, Achtung! Hier ist die Sendestelle Berlin im Voxhaus auf Welle 400 Meter. Meine Damen und Herren, wir machen Ihnen davon Mitteilung, dass am heutigen Tage der Unterhaltungsrundfunkdienst mit Verbreitung von Musikvorführungen auf drahtlos-telefonischem Wege beginnt. Die Benutzung ist genehmigungspflichtig.“ Es folgte ein musikalisches Programm mit Live-Auftritten von Otto Urack (Cello), Rudolf Deman (Geige) und Alfred Wilde (Tenor) sowie Schallplattenaufnahmen von Fritz Kreisler und anderen Künstlern.
Wie viele Menschen diese historische Sendung hörten, ist nicht genau bekannt. Schätzungen gehen von 250 Empfängern aus, die eine Lizenz erworben hatten, um ein Radiogerät aufstellen zu dürfen. Die Lizenz kostete damals 350 Milliarden Reichsmark, was aber aufgrund der Hyperinflation nur wenigen Pfennigen entsprach. Die Zahl der Hörer wuchs jedoch rasch an. Ende 1923 waren es bereits 467, Anfang 1925 schon eine halbe Million und Ende desselben Jahres über eine Million.
Die “Funk-Stunde Berlin” war der Beginn einer Erfolgsgeschichte des Radios in Deutschland. Schon bald entstanden weitere Sender in anderen Städten und Regionen, die ein vielfältiges Programm aus Musik, Wortbeiträgen, Reportagen, Hörspielen und Nachrichten boten. Das Radio wurde zum Massenmedium, das die Menschen informierte, unterhielt und bildete. Es wurde zum Zeugen und Gestalter von historischen Ereignissen wie dem Aufstieg und Fall des Nationalsozialismus, dem Zweiten Weltkrieg, dem Wiederaufbau, dem Kalten Krieg, der Teilung und Wiedervereinigung Deutschlands und vielen anderen.
Heute ist das Radio immer noch ein lebendiges und beliebtes Medium, das sich den Herausforderungen der Digitalisierung stellt. Neben den klassischen UKW-Sendern gibt es zahlreiche digitale Angebote wie DAB+, Internetradio oder Podcasts. Das Radio ist nach wie vor ein verlässlicher Begleiter im Alltag vieler Menschen, der ihnen Informationen und Unterhaltung bietet.
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