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28. Dezember 1978 – Beginn Katastrophenwinter in Deutschland

Am 28. Dezember 1978 begann einer der härtesten Winter in der deutschen Geschichte. Ein starker Schneesturm fegte über das Land und legte den Verkehr, die Stromversorgung und das öffentliche Leben lahm.

Es begann als ein gewöhnlicher Wetterumschwung am 28. Dezember 1978; doch innerhalb weniger Stunden verwandelte sich Deutschland in eine arktische Landschaft, die das öffentliche Leben zum Erliegen brachte. Eine massive Kaltfront aus dem Nordosten traf auf feucht-warme Luftmassen; dieser Zusammenprall löste heftige Schneestürme und einen dramatischen Temperatursturz von bis zu 30 Grad aus. Was folgte, war eine Naturkatastrophe, die als der „Katastrophenwinter“ in die Geschichte einging und beide deutschen Staaten vor ihre bisher größte Zivilisationsprobe stellte.

Die Menschen reagierten auf die plötzliche Isolation mit einer Mischung aus Improvisationstalent und nachbarschaftlicher Hilfe; während draußen der Orkan tobte, rückten die Familien in den kälter werdenden Stuben enger zusammen. In den Küstenregionen türmten sich die Schneewehen bis zu fünf Meter hoch; ganze Ortschaften und Inseln wie Rügen waren tagelang völlig von der Außenwelt abgeschnitten. Während Kinder die meterhohen Berge zum Spielen nutzten, kämpften Erwachsene ums Überleben; Hebammen und Ärzte wurden oft nur noch mit Hilfe von Panzern der Armee zu ihren Patienten gebracht.

Trotz der gemeinsamen Notlage offenbarten sich deutliche Unterschiede zwischen der BRD und der DDR. In der Bundesrepublik war vor allem die Mobilität betroffen; tausende Autofahrer saßen in ihren Fahrzeugen fest, während die Bundeswehr mit rund 25.000 Soldaten im Einsatz war, um liegengebliebene Fahrzeuge zu bergen und die Stromversorgung in etwa 150 abgeschnittenen Orten wiederherzustellen. In der DDR hingegen entwickelte sich der Winter zu einer existenziellen Bedrohung für das gesamte Wirtschaftssystem; die Abhängigkeit von der Braunkohle wurde zum Verhängnis, als Förderbänder und Waggons in den Tagebauen einshart festfroren. Dies führte zu massiven Stromausfällen, die sogar Industriebetriebe und landwirtschaftliche Großbetriebe lahmlegten; über 50.000 Soldaten der Nationalen Volksarmee (NVA) mussten mobilisiert werden, um den drohenden totalen Netzzusammenbruch abzuwenden.

Die statistische Bilanz dieses Winters ist erschütternd und zeigt das Ausmaß der Gewalt der Natur. In der Bundesrepublik wurden offiziell 17 Todesopfer gezählt; viele von ihnen erfroren in ihren eingeschneiten Autos oder erlitten beim Schneeschippen tödliche Herzinfarkte. In der DDR gestaltete sich die Zählung aufgrund staatlicher Geheimhaltung schwieriger; offizielle Stellen sprachen zunächst von drei Toten, während spätere Schätzungen von mindestens 18 Todesopfern allein im Zusammenhang mit Verkehrsunfällen ausgehen. Hinzu kam eine unbekannte Zahl von Menschen, die in abgelegenen Gebieten oder in ihren Häusern der Kälte erlagen; zudem verzeichnete die DDR massive Verluste in der Landwirtschaft mit etwa 40.000 verendeten Ferkeln und Kälbern sowie 90.000 Stück Geflügel.

Man hat aus diesem Winter gelernt, dass eine hochtechnisierte Gesellschaft verwundbarer ist, als man es bis dahin wahrhaben wollte; die Abhängigkeit von einer stabilen Energie- und Wärmeversorgung wurde zum zentralen Thema des Katastrophenschutzes. In der Folge wurden die Wetterwarnsysteme verbessert und die logistische Zusammenarbeit zwischen zivilen Stellen und dem Militär optimiert; zudem wurden Notfallpläne für die kritische Infrastruktur entwickelt, um auf künftige Extremwetterereignisse besser vorbereitet zu sein. Der Winter 1978/79 bleibt somit nicht nur als eine Zeit der Entbehrung, sondern auch als Wendepunkt in der Wahrnehmung staatlicher Vorsorge in Erinnerung.

Bild: Bundesarchiv, Bild 183-U0102-026 | CC BY-SA 3.0 Unported
Bild: Bundesarchiv, Bild 183-U0102-026 – Lizenz: CC BY-SA 3.0 DE

Bildquellen auf dieser Seite:

  • Neubrandenburg, Soldaten beim Schneeräumen: Bundesarchiv, Bild 183-U0102-026 | CC BY-SA 3.0 Unported
  • Einsturz der Isarbrücke am 13 September 1813 Gemeinfrei: Gemeinfrei | Gemeinfrei
  • Roald_Dahl-Van-Vechten-Collection-Public-Domain: Van Vechten Collection | Public Domain

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