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2. Januar 1956 – Bundeswehr nimmt ihre Arbeit auf

Am 2. Januar 1956 nahm die Bundeswehr ihre praktische Arbeit auf.

Der 2. Januar 1956 markiert einen entscheidenden, lange unterschätzten Moment in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. An diesem Tag nahm die Bundeswehr ihre praktische Arbeit auf. Während der 12. November 1955 als offizielles Gründungsdatum gilt, begann erst Anfang Januar 1956 der tatsächliche Dienstbetrieb der neuen Streitkräfte.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs war Deutschland über ein Jahrzehnt ohne eigene Armee. Die Erfahrungen mit der Wehrmacht, die militärische Niederlage und die Verbrechen des Nationalsozialismus hatten eine tiefe Skepsis gegenüber jeder Form von Wiederbewaffnung hinterlassen. Gleichzeitig verschärfte sich mit dem Kalten Krieg die sicherheitspolitische Lage in Europa. Die Bundesrepublik wurde 1955 Mitglied der NATO und übernahm damit die Verpflichtung, einen eigenen Beitrag zur kollektiven Verteidigung zu leisten. Die rechtlichen und politischen Voraussetzungen waren damit geschaffen, doch eine Armee existierte zunächst nur auf dem Papier.

Am 2. Januar 1956 änderte sich das. An diesem Tag traten die ersten Freiwilligen ihren Dienst an und rückten in die vorgesehenen Standorte ein. In Andernach begann der Aufbau des Heeres, in Nörvenich formierte sich die Luftwaffe, in Wilhelmshaven nahm die Marine ihren Betrieb auf. Die Soldaten durchliefen ihre Ausbildung in Lehrkompanien und bildeten den Kern der neuen Streitkräfte. Erstmals wurde damit aus der politischen Entscheidung eine funktionierende militärische Realität.

Dieser Beginn war bewusst nüchtern und zurückhaltend gestaltet. Die Bundeswehr sollte sich deutlich von früheren deutschen Armeen unterscheiden. Sie wurde von Anfang an als Parlamentsarmee konzipiert, fest eingebunden in die demokratische Ordnung und unter klarer ziviler Kontrolle. Das Leitbild des Staatsbürgers in Uniform sollte sicherstellen, dass Soldaten nicht außerhalb der Gesellschaft standen, sondern Teil von ihr blieben. Der Dienstantritt Anfang 1956 war daher nicht nur ein organisatorischer Schritt, sondern auch ein symbolischer Neuanfang.

In den folgenden Jahren wuchs die Bundeswehr rasch. Mit der Einführung der Wehrpflicht 1957 wurde sie zu einer Massenarmee, deren Aufgabe klar auf die Landes und Bündnisverteidigung ausgerichtet war. Der 2. Januar 1956 bleibt dennoch ein besonderer Tag, weil er den Übergang von der Planung zur Praxis markiert. Ohne diesen Schritt wäre die Bundeswehr nicht mehr gewesen als ein politisches Konstrukt.

Rückblickend steht der 2. Januar 1956 für den Beginn eines langen und oft kontrovers diskutierten Weges. Die Bundeswehr entwickelte sich im Laufe der Jahrzehnte weiter, übernahm neue Aufgaben und passte sich veränderten sicherheitspolitischen Rahmenbedingungen an. Doch ihr tatsächlicher Start als arbeitende Institution fällt auf diesen unspektakulären Wintertag, an dem die ersten Soldaten ihren Dienst aufnahmen und damit ein neues Kapitel deutscher Nachkriegsgeschichte eröffneten.

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  • Dirigent mit Orchester spielt Filmmusik KI wn: Werner Niedermeier | Werner Niedermeier
  • Marlon-Brando-Briefmarke-Schauspieler-Der-Pate-Shutterstock-crop: Shutterstock | Shutterstock

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