Am 9. Februar 1971 ereignete sich einer der schwersten Eisenbahnunfälle in der Geschichte Deutschlands. Der Trans-Europ-Express (TEE) 56 „Bavaria“ entgleiste auf der Fahrt von München nach Zürich bei Aitrang im Allgäu und stieß mit einem entgegenkommenden Nahverkehrszug zusammen. 28 Menschen starben, 42 wurden schwer verletzt. Der Unfall war das größte Desaster in der Geschichte der TEE-Züge, die damals als Luxusklasse des Schienenverkehrs galten.
Die Ursache des Unfalls war ein technischer Defekt an einem Radreifen des TEE-Zuges, der zu einem Achsbruch führte. Der Zug geriet dadurch ins Schlingern und entgleiste. Der Lokführer des Nahverkehrszuges konnte nicht mehr rechtzeitig bremsen und prallte mit voller Wucht in die Trümmer des TEE-Zuges. Die Wucht des Aufpralls war so groß, dass einige Wagen des TEE-Zuges bis zu 50 Meter weit geschleudert wurden.
Der Unfall löste eine intensive Diskussion über die Sicherheit des Schienenverkehrs aus. Die Deutsche Bundesbahn musste sich Kritik an ihrer Wartung und Kontrolle der Züge gefallen lassen. Außerdem wurden Forderungen nach einer besseren Signalisierung und Kommunikation zwischen den Zügen laut. Als Konsequenz aus dem Unfall wurden unter anderem die Radreifen der TEE-Züge verstärkt, die Geschwindigkeit auf der Unfallstrecke reduziert und die Sicherheitsvorschriften verschärft.
Heute, viele Jahre nach dem Eisenbahnunfall von Aitrang, hat sich die Sicherheit des Schienenverkehrs deutlich verbessert. Die Züge sind mit moderner Technik ausgestattet, die Unfälle vermeiden oder zumindest die Folgen mildern soll. Dazu gehören zum Beispiel automatische Brems- und Warnsysteme, die bei Gefahr eingreifen, oder Crash-Elemente, die die Energie bei einem Aufprall absorbieren. Auch die Infrastruktur der Schienenwege wurde erneuert und modernisiert. Die Zahl der tödlichen Eisenbahnunfälle in Deutschland ist in den letzten Jahrzehnten stark gesunken.
Dennoch kann die Sicherheit des Schienenverkehrs nie zu 100 Prozent garantiert werden. Immer wieder kommt es zu kleineren oder größeren Zwischenfällen, die teilweise auch auf menschliches Versagen zurückzuführen sind. So ereignete sich erst im Januar 2024 ein schwerer Unfall bei Rosenheim, als ein Güterzug mit einem Regionalzug kollidierte. Dabei wurden 12 Menschen verletzt, einer davon schwer.
Der Eisenbahnunfall von Aitrang bleibt somit ein Mahnmal für die ständige Verbesserung der Sicherheit des Schienenverkehrs. Er zeigt aber auch, wie weit die Entwicklung in den letzten Jahren vorangeschritten ist. Die Züge von heute sind schneller, komfortabler und sicherer als die Züge von damals.
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