Wer heute den Namen „Cinco de Marcho“ hört, denkt oft zuerst an „Cinco de Mayo“; genau darauf baut dieser Tag auf. „Cinco de Marcho“ ist kein historischer Gedenktag Mexikos, keine religiöse Tradition und auch kein offiziell anerkter Feiertag, sondern eine bewusst erfundene, humorvolle Datums-Spielerei. Gefeiert wird er jedes Jahr am 5. März, also zwölf Tage vor dem St. Patrick’s Day am 17. März; der Witz liegt in der Mischung aus spanisch klingendem Namen, mexikanisch anmutendem Restaurantklischee und der grünen Symbolwelt des irischen Feiertags.
Die Hintergründe sind entsprechend modern und eher anekdotisch als dokumentarisch: In mehreren Darstellungen wird die Entstehung auf das Jahr 2007 in den USA datiert; als Urheber werden Personen genannt, die unter den Pseudonymen „Carlos Fantastico“ und „Lady O’ Le“ auftreten. Der Erzählkern bleibt dabei ähnlich: Ein Besuch zum St. Patrick’s Day stand an, man fühlte sich als selten trinkender Mensch „untrainiert“; also begann man am 5. März mit einer Art Vorlauf, gern in Form einer grünen Margarita in einem mexikanischen Restaurant. Aus diesem Einfall wurde die Idee einer „Saison“ von zwölf Tagen bis zum 17. März, die sich leicht weitererzählen und in Bars und Freundeskreisen vermarkten ließ.
Dass der Name wie eine Parodie wirkt, ist Absicht. „Cinco de Mayo“ erinnert an den 5. Mai 1862, als mexikanische Truppen bei Puebla einen überraschenden Sieg über französische Verbände errangen; in den USA wurde diese Erinnerung später stark popularisiert und vielfach zu einem allgemeinen Fest mexikanisch amerikanischer Kultur umgedeutet. „Cinco de Marcho“ nimmt sich diese bekannte Klangform; statt eines historischen Ereignisses liefert er eine Pointe: Der „fünfte“ Tag eines Monats, ein spanischer Touch, dazu die Brücke zum irischen Trinkfeiertag. Selbst die Schreibweise ist Teil des Spiels, denn „Marcho“ ist kein korrektes spanisches Wort für März, es klingt nur so; die Absicht ist Wortwitz, nicht Sprachrichtigkeit.
In der Praxis zeigt sich „Cinco de Marcho“ dort, wo Anlässe schnell zünden: in Bars, auf Social Media, in Veranstaltungskalendern von Kneipen und lokalen Clubs. Typische Motive sind die Kombination aus Sombrero und Kleeblatt, Margarita und grünem Bier; eine Kulisse, die nicht auf Authentizität zielt, sondern auf Wiedererkennung. Gerade dadurch erklärt sich auch, warum der Tag immer wieder als „unoffiziell“ oder „made up“ bezeichnet wird: Er lebt nicht von Tradition, sondern von Mitmachlogik, Merch und dem Bedürfnis nach einem Vorwand, sich zu treffen.
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